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„Ein künftiger Schwerpunkt wird KI mit all ihren Chancen und Herausforderungen sein“
Im BFGjournal zu Gast: MMag. Dr. Sandra Allmayer, MA, MBA, Geschäftsführerin der Akademie der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen, im Gespräch mit Prof. Dr. Angela Stöger-Frank
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Dr. Sandra Allmayer wechselte im April aus dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung als Geschäftsführerin zur ASW, dem Bildungsinstitut der KSW. Die promovierte Pädagogin war in unterschiedlichen Funktionen im Hochschul- und Erwachsenenbildungsbereich tätig, zuletzt in den Kabinetten der Wissenschaftsminister:innen Univ.-Prof. Dr. Heinz Faßmann und Mag. Dr. Iris Rauskala sowie des aktuellen Ministers, ao Univ.-Prof. Dr. Martin Polaschek. Davor leitete sie den Bereich Internationalisierung an der FH Technikum Wien und war dort auch Lehrbeauftragte. |
Die ASW, die zu 100 % der Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen gehört, zählt mit 25 Beschäftigten, zahlreichen Fachvortragenden und sechs Standorten zu den zehn größten berufsbezogenen Aus- und Weiterbildungsinstitutionen in Österreich.
Nun wird das Führungsteam neu aufgestellt: Neben Georg Klenner, Geschäftsführer für den Bereich Rechnungswesen, Controlling, IT, Geschäftsprozesse und Infrastruktur, wurde Sandra Allmayer Geschäftsführerin für die Bereiche Strategie, Bildungsprodukte, Qualitätssicherung, Marketing und Kooperationen. Gerhard Stangl trat nach mehr als 31 Jahren in der Akademie mit in den Ruhestand.
BFGjournal: Seit April sind Sie nun Geschäftsführerin der ASW. Wie war das erste halbe Jahr? Wie war der Einstieg bzw Umstieg vom Ministerium in die ASW?
Sandra Allmayer: Wir hatten vom ersten Tag an eine sehr gute und wertschätzende Zusammenarbeit im gesamten Team. Und was mir sofort aufgefallen ist: ein extrem guter Spirit und eine hohe Professionalität. Das schätze ich ganz besonders. Fachlich war das erste halbe Jahr ein sehr spannendes, motivierendes und sehr abwechslungsreiches, denn die Aus- und Weiterbildungsformate der ASW unterliegen ja einer ständigen Aktualisierung durch die Anforderungen im WT-Berufsstand.
Die Verantwortung, für den WT-Berufsstand - und auch für Quereinsteiger:innen - zukunftsorientiert und qualitativ hochwertig aus- und weiterzubilden, ist eine sehr große, denn die Herausforderungen im Berufsstand werden immer größer. Und das ist es, was mich auch besonders reizt: diese Verantwortung zu übernehmen und die Weiterbildung mit dem ASW-Team und den hervorragenden Referent:innen, die bei uns vortragen, zu gestalten.
Noch zum Einstieg und Umstieg: Natürlich fällt der Abschied bei einer spannenden Tätigkeit nicht immer leicht. Aber nach sechs Monaten weiß ich, dass ich mit dem Wechsel in die ASW die richtige Entscheidung getroffen habe - und mehr kann man sich nicht wünschen.
BFGjournal: Das Bildungsangebot der Akademie ist sehr umfangreich und vielfältig. Geboten werden facheinschlägige Aus- und Weiterbildungen in Steuerrecht, Buchhaltung, Bilanzierung, Unternehmensrecht, Personalverrechnung, Arbeitsrecht und Betriebswirtschaft sowie Speziallehrgänge und universitäre Kooperationen. Welche Prioritäten möchten Sie setzen?
Sandra Allmayer: Das ist eine schwierige Frage, da die Themen und Formate miteinander zusammenhängen. Aber lassen Sie mich zwei Aspekte nennen. Zum einen ist es mir wichtig, dass die ASW zukunftsorientierte Themen so schnell wie möglich aufgreift S. 283 und umsetzt. Wir sind zB gerade dabei, unsere derzeitigen Aus- und Weiterbildungsformate von ESG und Nachhaltigkeitsberichterstattung nach den künftigen CSRD-Richtlinien weiterzuentwickeln.
Zum anderen geht es mir um das Eröffnen von individuellen Karrierepfaden. Wir haben im Berufsstand einen extrem hohen Workload verbunden mit einem hohen Fachkräftebedarf - und da spielen Effektivität und Zeitersparnis bei der Weiterbildung die entscheidende Rolle. Deswegen entwickeln wir unsere Produkte qualitätsorientiert weiter und machen sie anschlussfähig, also anrechenbar auf weiterführende Ausbildungswege. Insofern werden wir auch weiterhin eine Priorität in unsere Kooperationen mit Universitäten und Hochschulen legen.
Der Bachelor Professional (BPr) Tax Management mit der FH Campus Wien, den wir gemeinsam entwickelt haben und der Ende Oktober startet, ist ein sehr gutes Beispiel dafür.
BFGjournal: Was ist der USP dieses Bachelor Professional?
Sandra Allmayer: Das ist ein neues Format, welches durch die Reform der hochschulischen Weiterbildung 2021 ermöglicht wurde: ein akademisches und gleichzeitig sehr berufsfokussiertes Bachelorstudium, welches nur in einer Kooperation zwischen Hochschule und außerhochschulischem Bildungsträger möglich ist.
Neu ist in diesem Fall, dass die ersten beiden Semester zur Gänze an der ASW abgehalten werden und die Studierenden auch die ASW-Diplome Buchhaltung und Steuersachbearbeitung/Bilanzbuchhaltung erhalten - mit Referent:innen aus dem Berufsstand. Das garantiert die Berufsfokussierung und den Praxisbezug und bietet auch eine Grundlage für die Fachprüfungen zur Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung. Aber nicht nur inhaltlich, denn die Studierenden ersparen sich dadurch sowohl Zeit und Kosten bei der Vorbereitung auf die Fachprüfungen.
Neu ist auch, dass das Studium sowohl Maturant:innen als auch Personen mit facheinschlägiger Berufsqualifikation oder -erfahrung offen steht.
Und schließlich kann mit mehrjähriger einschlägiger Berufserfahrung auch ein Semester - als Berufspraktikum - angerechnet werden.
Also der USP ist zusammengefasst: ein auf den Berufsstand zugeschnittenes BA-Studium; berufsfokussiert, praxisorientiert, berufsbegleitend, zeitsparend und eine sehr gute Grundlage für die StB-WP-Fachprüfungen.
BFGjournal: Wie gestalten sich die Kosten?
Sandra Allmayer: Das Bachelorstudium ist ein außerordentliches, also nicht vom Bund finanziertes Weiterbildungsstudium, weswegen die Kosten insgesamt 16.900 Euro betragen.
Es gibt aber die Möglichkeit von Stipendien: Die Kammer der Steuerberater:innen und Wirtschaftsprüfer:innen gewährt bis zu 25 Stipendien mit je 7.350 Euro, um die Nachwuchsförderung im WT-Berufsstand zu unterstützen. Das ist schon ein sehr schönes Zeichen! Und ich hoffe, auch ein Anreiz, dass die WT-Kanzleien und ihre Mitarbeiter:innen diese Chance der Weiterbildung nützen.
BFGjournal: Eine große Neuerung kommt außerdem bereits im Herbst. Ab den werden die schriftlichen Klausurarbeiten für die Steuerberater:innen- und Wirtschaftsprüfer:innenprüfung in digitaler Form abgehalten. Ergibt sich in weiterer Folge ein Handlungsbedarf für die Ausbildung an der Akademie?
Sandra Allmayer: Richtig. Die erste Prüfung war am 6. September in Rechtslehre und ist sehr erfolgreich verlaufen. Hier gab es schon viele Monate vorab eine gute Abstimmung zwischen der KSW und ASW. Nachdem die Inhalte der Prüfungen gleich bleiben, S. 284 sich also lediglich die Art der Abhaltung ändert, haben wir uns auf die Vorbereitung der Teilnehmenden und Vortragenden im Umgang mit der neuen Software konzentriert.
BFGjournal: Mag. Jürgen Sykora, der Berufsgruppenobmann, hat vom Berufsgruppenausschuss berichtet. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit des Ausschusses mit der Akademie?
Sandra Allmayer: Die Zusammenarbeit ist sehr gut - unsere Aufgabe ist es, die bestmögliche Aus- und Weiterbildung für den Berufsstand anzubieten. Und da sind alle motiviert, die Synergien bestmöglich zu nutzen. Mag. Jürgen Sykora ist zB auch im Entwicklungsteam des BPr Tax Management mit der FH Campus Wien, was ein großer Mehrwert für die Berufsfokussierung des Studiums ist.
BFGjournal: Ein weiteres wichtiges Thema ist die Nachwuchspflege. Welche Ideen oder Pläne möchten Sie hier einbringen?
Sandra Allmayer: Zum einen geht es darum, den WT-Kanzleien und ihren Mitarbeiter:innen Karrierepfade zu eröffnen - sodass ich quasi vom Kanzleieinstieg an der ASW die Möglichkeiten bis hin zum facheinschlägigen MA-Abschluss habe - aufbauend, modularisiert, berufsbegleitend.
Zum anderen wird die Akademie in Zukunft auch verstärkt Quereinsteiger:innen ansprechen, also Personen, die nicht aus dem Berufsstand kommen, aber für WT-Kanzleien spannende neue Mitarbeiter:innen sind. Hier arbeiten wir gerade an strategischen Maßnahmen.
BFGjournal: Welche Themen finden Sie noch wichtig?
Sandra Allmayer: Also, was uns alle bewegt, ist sicherlich das gesamte Thema der Künstlichen Intelligenz (KI) mit all ihren Chancen und Herausforderungen. Es wird immer diskutiert, dass Arbeitsplätze wegfallen. Das glaube ich nicht in diesem Ausmaß, denn es werden transversale Kompetenzen gefragt sein und darauf sollten wir auch unseren Fokus richten. Recherchearbeit, Abläufe, Texterstellungen können digitalisiert werden, aber am Ende muss der Mensch mit Metawissen, Klugheit und Besonnenheit kontrollieren und entscheiden, welche Informationen relevant, richtig und vertretbar sind.
Da werden Kompetenzen wie zB Kritikfähigkeit, strategisches und interdisziplinäres Denken gefragt sein, Lösungsorientierung, Diversitätskompetenz und Empathie. Und da liegen meines Erachtens die Chancen; vorausgesetzt es werden die Tools von KI entsprechend auch verstanden und eingesetzt. Insofern werden wir hier auch einen künftigen Schwerpunkt legen.
BFGjournal: Bleiben wir kurz beim Thema Digitalisierung. Der gesamte Bereich der Bildung erfuhr während und nach der Corona-Pandemie einen Digitalisierungsschub. Wie sehen Sie das diskutierte Thema Präsenz- versus Onlinekurse?
Sandra Allmayer: Das ist eine gute Frage. Ich denke, eine gute Mischung ist die Lösung. Wenn ich Webinare anbiete, ist es didaktisch wichtig, die Teilnehmenden bestmöglich zu involvieren. Denn wie wir aus den kognitiven Wissenschaften wissen, werden neue Informationen dann tiefer und länger gespeichert, wenn die Informationsaufnahme über mehrere Sinne und Kanäle erfolgt. Und wenn ich hier den Austausch mit den Teilnehmenden und den Vortragenden vor Ort habe, ist das nicht nur zum Netzwerken in den Pausen ein Vorteil, sondern auch eine gute Möglichkeit, fachlich weiter zu diskutieren.
BFGjournal: Wir haben sehr ausführlich über Themen und Weiterentwicklung gesprochen. Worauf legen Sie darüber hinaus in Ihrer neuen Arbeit noch Wert?
Sandra Allmayer: Besonders wichtig ist mir auch der Austausch und das Bilden von Kooperationen. Nicht selten gibt es Vorbehalte, Informationen an die Konkurrenz weiterS. 285 zugeben. Das kennt man manchmal aus dem Lehrerzimmer. Ich bin der Meinung, es muss nicht jeder das Rad neu erfinden, sondern Austausch, Teilen und Synergien helfen allen weiter. Insofern freue ich mich auch auf Kooperationen mit anderen Kammerakademien, zB haben wir derzeit sehr gute Gespräche mit der AWAK.
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1)Mein Ziel für heuer ist, ... das positive und sehr gute Arbeitsklima an der ASW weiterzuführen und neben der Weiterführung der derzeitigen Programme gemeinsam mit dem Team und den Stakeholdern eine strategische Neuausrichtung vorzunehmen. 2)Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit? Die vielfältigen inhaltlichen Herausforderungen, die sehr gute Zusammenarbeit im Team und mit der KSW sowie der Berufsstand in seiner hohen Professionalität und Kollegialität. 3)Welches Buch (oder E-Book) haben Sie zuletzt gelesen? Zwei gleichzeitig, und zwar „Elternabend“ von Sebastian Fitzek und „Lauter Lügen“ von Konrad Paul Liessmann. 4)Welche sozialen Medien nutzen Sie? Was sind Ihre Lieblingspodcasts? Haben Sie einen Blog? Instragram und LinkedIn. Ich lese lieber. 5)Nach der Arbeit ... begrüße ich Lisa, höre Brahms und füttere auch Maggie. |