BAO | Bundesabgabenordnung
6. Aufl. 2017
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§ 190
Literatur: siehe bei § 185
Erlässe: Richtlinien zur Feststellung von Einkünften (§ 188 BAO), AÖF 2010/36, Abschn 5.
1
Die im § 190 Abs 1 erster Satz normierte sinngemäße Anwendbarkeit der für die Festsetzung der Abgaben geltenden Vorschriften ermöglicht, Feststellungsbescheide sowie Bescheide, mit denen ausgesprochen wird, dass die Feststellungen zu unterbleiben haben, nach § 200 Abs 1 vorläufig zu erlassen (zB Ellinger/Sutter/Urtz, BAO3, § 190 Anm 1).
2
Ob die Anwendbarkeit des § 184 (Schätzung) sich (nur) aus § 190 Abs 1 ergibt, wie dies die hA (Ellinger/Wetzel, BAO, 124; -0131; Stoll, BAO, 2018) annimmt, erscheint fraglich (da zweifelhaft ist, ob § 184 tatsächlich nur für Abgabenbescheide gilt).
Der VwGH leitet aus § 190 Abs 1 erster Satz weiters die Anwendbarkeit des § 23 Abs 2 (-0131), des § 24 Abs 1 () sowie der §§ 93 Abs 3 lit a, 288 Abs 1 lit d aF (=§ 280 Abs 1 lit e idF FVwGG 2012), 115 Abs 2 und 183 Abs 4 () ab. Diese Normen stellen jedoch nicht auf die Festsetzung von Abgaben ab; die Begründungspflicht des § 93 Abs 3 lit a gilt für alle Bescheide (nicht nur für Abgabenbescheide).
Fischerlehner (Abgabenverfahren2, § 190 Anm 1) nennt als sinngemäß anwendbare Normen etwa die §§ 23, 24, 115 Abs 2, 183 Abs 4, 184 und 200.
2a
Normen, die sich unmittelbar und ausschließlich auf Festsetzungen beziehen (wie etwa §§ 198 Abs 2 und 199) kommen nicht einmal sinngemäß für reine Feststellungen in Betracht (Tanzer in Althuber/Tanzer/Unger, BAO-HB, § 190, 515). Zur Nichtanwendbarkeit der Verjährungsbestimmungen siehe zB § 207 Tz 8.
3
§ 190 Abs 1 zweiter Satz (idF BGBl 1996/201) ist vor allem für Bescheide über das Unterbleiben von Feststellungen der Einkünfte (§ 188) bedeutsam. Für solche Bescheide gelten insbesondere die §§ 101 Abs 3 (Zustellfiktion), 191 Abs 1 lit c, 191 Abs 2, 191 Abs 3, 191 Abs 5 und 246 Abs 2 (Beschwerdebefugnis) sinngemäß (vgl Ellinger/Sutter/Urtz, BAO3, § 190 Anm 6; BMF, AÖF 2010/36, Abschn 5.1; aM Stoll, GesRZ 1998, 118 und 190); weiters die Zuständigkeitsbestimmungen der §§ 13 Abs 1 Z 1, 21 Abs 2 Z 4 und 22 Abs 2 Z 1 AVOG 2010.
Aus § 190 Abs 1 zweiter Satz iVm dem ersten Satz ergibt sich, dass solche „Nichtfeststellungsbescheide“ vorläufig (§ 200 Abs 1) erlassen werden dürfen (BMF, AÖF 2010/36, Abschn 5.1; Ellinger/Sutter/Urtz, BAO3, § 190 Anm 5).
4
§ 190 Abs 2 dient lediglich der Klarstellung (zB Stoll, BAO, 2019), weil ganz allgemein jeder der in einem sog kombinierten Bescheid (Sammelbescheid) formularmäßig verbundenen Bescheide isoliert rechtskraftfähig ist (vgl zB ).