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AR aktuell 3, Juni 2026, Seite 73

Editorial

Clarissa-Diana de Grancy

Liebe Aufsichtsartistinnen und -Artisten,

der Himmel ist blau, fast ein bisschen zu blau. Kann auch sein, dass wir uns das bloß einbilden. Drüben winkt ein freundlicher Nachbar über den Zaun. Er wässert die bonbonroten Rosen - Kleinstadtidylle. Dann diese Kamerafahrt durch das sorgfältig geschnittene Gras. Und noch bevor wir sehen, was David Lynch uns gleich zeigen wird, wissen wir längst: Irgendetwas stimmt nicht.

Wir alle kennen solche Momente. Der Kollege steigt aus dem Projekt aus - wir wussten es. Ein Gefährte zieht weg, schmerzlich, plötzlich, unerwartet - wir wussten es. Ein Unternehmen gerät unter Druck - aber wenn wir darüber nachdenken, müssen wir uns eingestehen, dass es da dieses Wissen gab. Wir ahnten, wir spürten, nein, wir wussten die ganze Zeit, dass das Management die Firma eines Tages an die Wand fährt.

Ich meine eine archaische Form der Gewissheit, die Wahrnehmung von etwas, das längst begonnen hat. Das kaum merkliche Zögern beim Gegenüber im Beantworten einer Frage, Schnitt in der Zeit, Synkope, als hätte jemand für eine Millisekunde die Welt angehalten. Oder jener winzige Moment, in einem viel zu heißen Frühsommer, in dem die Sonne sticht, mit diesem unehrlich gle...

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