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Editorial
Die erste Hitzewelle ist über uns hinweg geschwappt und nun haben wir aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Situation mit neuen Herausforderungen zu kämpfen. Die Bauwirtschaft, abhängig von Zinsen und Materialgestehungskosten, wird auf mit Argusaugen auf das kommende Jahr schauen.
Gerald Goger geht in seinem Interview mit Peter Krammer, Vorstandsvorsitzender der Österreichischen Bautechnik Vereinigung (ÖBV), und Michael Pauser, Geschäftsführer der ÖBV, auf die aktuellen Herausforderungen (wie die COVID-19-Pandemie, Preisveränderungen und Lieferengpässe) für die Bauwirtschaft, die Nachhaltigkeit und die Digitalisierung im Bauwesen, den Einsatz von kooperativen Vertragsmodellen sowie lean construction ein.
Traditionell wird in unserem Sommerheft die letztjährige baurechtliche Judikatur des OGH von Thomas Frad aufgearbeitet. Jeder Branchenteilnehmer sollte sich diese 17 Judikate anschauen. Dem Verlag sei gedankt, dass der übersichtliche Satz hier auch ein abschnittsweises Lesen in der Urlaubszeit ermöglicht. Hingegen reichen die Entscheidungen vom Rücktritt vom Bauvertrag über die Verjährung von Schadenersatzansprüchen sowie Sicherstellungen bis hin zum Zurückbehaltungsrecht sowie zeitgebundenen Kosten durch Zeitverzögerung – demnach Themen, die für alle am Bau Beteiligten von großem Interesse sein müssten.
Nach dem rechtlichen Warmlaufen mit den Judikaten des vergangenen Jahres wird in gewohnter Weise von Wolfgang Hussian die aktuelle Rechtsprechung besprochen. Dieses Mal geht es unter anderem um das Rücktrittsrecht bei einem mangelhaften Einreichplan sowie um den Anspruch auf Verbesserung bei hohem Sanierungsaufwand.
Christoph Wiesinger beschäftigt sich in seinem Beitrag mit der BUAG-Novelle BGBl I 2022/73, die Bestimmungen zur Möglichkeit des vorzeitigen Bezugs der Abfertigung alt vorsieht. Ohne diese Eingriffe des Gesetzgebers würden vermutlich die letzten Arbeitnehmer, die dem alten Abfertigungsrecht unterliegen, in den Jahren 2045 bis 2050 in Pension gehen. Diese Novelle ist aus Wiesingers Sicht damit als ein erster Schritt für ein vorzeitiges faktisches Auslaufen der Bestimmungen zu sehen.
Gerald Fuchs geht in seinem Beitrag auf ein wesentliches Spannungsfeld für Eigentümer respektive Verwalter von Gebäuden ein, nämlich die Frage „Rechtssicherheit vs Gefährdung von Leib und Leben“. So stellt sich immer wieder die Frage, ob auch abseits gesetzlicher Nachrüstverpflichtungen sicherheitstechnische Auf- bzw Nachrüstungen vorzunehmen sind. Dies steht im Lichte fortschreitender technischer Entwicklungen und Anforderungen und des Bestrebens, etwaigen Gefahren für Personen bzw Haftungsrisiken zu begegnen. Im Beitrag wird vergleichsweise dargestellt, welch hohen Stellenwert die Gesellschaft der Rechtssicherheit gegenüber abstrakten bzw konkreten Gefahren einräumt.
In der neuen Rubrik „Bauplaner“ hat sich Hans Lechner mit der Frage der Qualität von und der Verantwortlichkeit für Ausschreibungen zu befassen gehabt. In der Praxis tritt immer wieder der Fall auf, dass spezialisierte Büros Ausschreibungen zu erstellen haben, diese auf einer wie auch immer gearteten Planungsleistung aufbauen. Diese Schnittstelle wird auch in den LM.VM 2014 unzureichend gelöst. In seinem Beitrag stellt daher Lechner sehr wohl Forderungen an die Planung auf und definiert Planungszustände für eine Ausschreibung.
Leopold Winkler greift ein derzeit sehr großes Thema auf. Nachdem unser letztes Heft den Schwerpunkt „Nachhaltigkeit“ hatte, diskutiert Winkler, welche Nachhaltigkeitsziele die Bauindustrie verfolgt und welche Maßnahmen notwendig sind, um eine nachhaltige Entwicklung zu unterstützen. Der Vergleich der Nachhaltigkeitsberichte gibt Aufschluss über die primären Energiequellen und die Ökobilanzierung der Unternehmen. Zur Reduzierung der direkten Emissionen ist die Umsetzung der klimaneutralen Produktionsstätten (vor allem der Baustellen) im Fokus der Bemühungen.
Der „Festpreis als Himmelfahrtskommando“ – Sie ahnen schon, dass Rainer Kurbos sich mit der aktuellen Situation pointiert auseinandersetzt. Nicht ohne einen kleinen Hauch Ironie, aber mit einer gehörigen Portion Wahrheit.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen dieses Heftes, einen erholsamen Sommer und wir, die Herausgeber, freuen uns immer auf Ihre geschätzten Rückmeldungen!
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Detlef Heck
für das Herausgeber-Team