Internationale Projektentwicklung
1. Aufl. 2026
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S. 533. Machbarkeitsstudie/Feasibility Study
Eine Machbarkeitsstudie (englisch: „Feasibility Study“) ist eine detaillierte Analyse, die durchgeführt wird, um zu bewerten, ob ein geplantes Projekt oder Vorhaben technisch/betrieblich/ operativ, rechtlich und wirtschaftlich/finanziell (sinnvoll) realisierbar ist. Sie dient dazu, die Erfolgsaussichten eines Projekts abzuschätzen und notwendige Voraussetzungen zu identifizieren, bevor erhebliche Ressourcen in ein Projekt investiert werden.
Bedeutung einer Machbarkeitsstudie
Risikominimierung: Identifiziert mögliche Probleme frühzeitig und ermöglicht die Entwicklung von Lösungsansätzen.
Ressourcenoptimierung: Hilft, Zeit, Geld und Arbeitsaufwand effizient einzusetzen, indem die besten Optionen identifiziert werden.
Strategische Planung: Liefert Entscheidungsträgern wesentliche Informationen, um sicherzustellen, dass Investitionen klug getätigt werden.
Eine fundierte Machbarkeitsstudie stellt sicher, dass ein Projekt nicht nur machbar, sondern auch in technischer, finanzieller und marktbezogener Hinsicht erfolgversprechend ist.
Vorgehen bei der Durchführung einer Machbarkeitsstudie
Vorgelagerte pre-Feasibility: Erste Überprüfung der Projektidee, um festzustellen, ob eine eingehendere Untersuchung gerechtfertigt ist.
Definition des Projektumfangs: Klare Beschreibung des Projekts, seiner Ziele und der gewünschten Ergebnisse.
Marktforschung: Detaillierte Untersuchung der Marktnachfrage, des Wettbewerbs und der potenziellen Kundenbasis.
Finanzielle Bewertung: Abschätzung des Kapitalbedarfs, der Betriebskosten, der Umsatzprognosen und der Rentabilität.
Risikoanalyse: Identifizierung potenzieller Risiken (finanziell, technisch, operativ) und Entwicklung von Strategien zu deren Minderung.
Prüfung und Empfehlungen: Auf Basis der gesammelten Daten wird entschieden, ob das Projekt weiterverfolgt werden soll. Es werden klare Empfehlungen mit unterstützenden Daten gegeben.
Endgültige Entscheidung: Der Abschlussbericht legt dar, ob das Projekt realisierbar ist. Stakeholder treffen daraufhin eine informierte Entscheidung, ob das Projekt weiterverfolgt wird.
Die wichtigsten Bestandteile einer Machbarkeitsstudie sind in den nachfolgenden Unterkapiteln beschrieben.
3.1. Technische, betriebliche und organisatorische Machbarkeit
Eine technische Machbarkeitsstudie untersucht, ob ein Projekt unter den gegebenen technischen Voraussetzungen realisierbar ist. Sie konzentriert sich darauf, die technischen Anforderungen, die Verfügbarkeit von Ressourcen und mögliche Herausforderungen zu analysieren. Die betrieblich/organisatorische Machbarkeitsstudie bewertet, ob ein S. 54Unternehmen in der Lage ist, ein Projekt mit den vorhandenen Ressourcen und Prozessen erfolgreich umzusetzen. Sie untersucht also die operativen Kapazitäten sowie alle organisatorischen Voraussetzungen.
Hauptaspekte einer technischen Machbarkeitsstudie
Technologieanforderungen: Bewertung, ob die benötigten Technologien und Systeme verfügbar und erprobt sind oder ob neue Entwicklungen erforderlich sind.
Technische Ressourcen: Analyse, ob die notwendigen technischen Ressourcen (Ausrüstung, Software, Fachkräfte) vorhanden und verfügbar sind. Überprüfung der internen technischen Kapazitäten und möglicher externer Dienstleister.
Durchführbarkeit des Designs: Technische Analyse des Projektentwurfs oder der Spezifikationen, um potenzielle Engpässe oder Herausforderungen zu identifizieren.
Infrastruktur: Prüfung, ob die vorhandene Infrastruktur (zB Rechenzentren, Netzwerke, Produktionsstätten) ausreicht oder angepasst werden muss.
Prozesse und Arbeitsabläufe: Analyse der bestehenden betrieblichen Prozesse und ob diese effizient genug sind, um das Projekt zu unterstützen.
Skalierbarkeit: Bewertung, ob das technische System im Falle von Wachstum oder Veränderungen anpassbar und skalierbar ist.
Zeitplan und Entwicklungsaufwand: Schätzung der Zeit, die für die technische Umsetzung benötigt wird, sowie des notwendigen Entwicklungsaufwands.
Risiken und Herausforderungen: Identifizierung technischer Risiken (zB Komplexität, Kompatibilitätsprobleme) und Entwicklung von Strategien zu deren Minderung.
Die technische Machbarkeitsstudie liefert eine klare Einschätzung, ob das Projekt mit den verfügbaren technischen Mitteln umsetzbar ist und was dafür benötigt wird. Sie hilft, technische Risiken frühzeitig zu identifizieren und die Projektplanung realistisch zu gestalten.
3.2. Rechtliche Machbarkeit
Eine rechtliche Machbarkeitsstudie bewertet, ob ein Projekt im Einklang mit den geltenden rechtlichen Vorschriften (eigener Firmensitz und im Land der Projektrealisierung) steht. Sie identifiziert mögliche rechtliche Hindernisse und sorgt dafür, dass das Projekt rechtskonform umgesetzt werden kann.
Hauptaspekte der rechtlichen Machbarkeitsstudie
Gesetzliche Rahmenbedingungen: Prüfung der relevanten Gesetze und Verordnungen (zB Datenschutz, Umweltschutz, Arbeitsrecht).
Erforderliche Genehmigungen: Identifizierung der notwendigen Genehmigungen und Lizenzen von Regulierungsbehörden; auch Zeitdauer der Genehmigungen.
Vertragsrecht: Analyse der notwendigen Verträge und rechtlichen Verpflichtungen gegenüber Partnern und Kunden.
Geistiges Eigentum: Schutz von Marken, Patenten und Urheberrechten sowie Lizenzanforderungen.
Umwelt- und Arbeitsschutz: Einhaltung von umweltrechtlichen und arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen.
S. 55Datenschutz: Überprüfung der Anforderungen an den Schutz personenbezogener Daten (zB DSGVO).
Eine rechtliche Machbarkeitsstudie sorgt dafür, dass das Projekt „rechtssicher“ umgesetzt werden kann, indem potenzielle rechtliche Risiken frühzeitig erkannt und alle erforderlichen Maßnahmen zur Rechtskonformität getroffen und zeitgerecht initiiert werden.
3.3. Wirtschaftliche und finanzielle Machbarkeit
Eine wirtschaftliche bzw finanzielle Machbarkeitsstudie bewertet die finanzielle Tragfähigkeit eines Projekts. Sie untersucht, ob das Vorhaben wirtschaftlich rentabel ist und wie die finanziellen Ressourcen eingesetzt werden müssen.
Hauptaspekte der wirtschaftlichen/finanziellen Machbarkeitsstudie
Investitionsbedarf: Ermittlung der erforderlichen Anfangsinvestitionen für das Projekt, einschließlich Anlagen, Personal und Infrastruktur.
Ertragsprognose: Schätzung der erwarteten Einnahmen, basierend auf dem Projekt-Zeitplan.
Cashflow: Abschätzung der laufenden Kosten für Personal, Material, Unterlieferanten etc in Bezug auf die erwarteten Zahlungseingänge, mit speziellem Fokus auf potenzielle Auswirkungen von Verzögerungen im Projekt.
Gewinn- und Rentabilitätsanalyse: Berechnung des erwarteten Gewinns, der Kapitalrendite (ROI) und des Break-even-Punkts (Zeitpunkt, ab dem das Projekt Gewinne erzielt).
Finanzierungsquellen: Untersuchung potenzieller Finanzierungsoptionen (Eigenkapital, Kredite, Fördermittel) und deren Kosten.
Risikobewertung: Identifizierung von finanziellen Risiken (zB Marktunsicherheit, Kostenschwankungen) und Strategien zur Risikominderung.
Die wirtschaftliche Machbarkeitsstudie stellt sicher, dass das Projekt finanziell tragfähig ist, die erforderlichen Mittel vorhanden sind - vor allem auch dann, wenn sich zB aufgrund von Projektverzögerungen die Zahlungseingänge verschieben bzw zeitweilig oder auch ganz ausbleiben.
3.4. Nicht-finanzielle Bewertungsparameter
Die Sustainable Development Goals (SDGs) und die EU-Taxonomie sind seit mehreren Jahren auch stark entscheidend für die Bewertung von Banken/Förderstellen zur Machbarkeit und Finanzierung nachhaltiger Projekte.
Sustainable Development Goals
Nachhaltigkeitsziele: Projekte, die zu den SDGs beitragen (zB Klimaschutz, Armutsbekämpfung), gelten als sozial und ökologisch wertvoll.
Zugang zu grüner Finanzierung: Nachhaltige Projekte haben bessere Chancen auf Förderungen und Impact Investments.
Reputationsvorteil: SDG-orientierte Projekte genießen ein positives Image bei Investoren.
S. 56EU-Taxonomie
Klassifizierung nachhaltiger Aktivitäten: Definiert klare Kriterien, um Projekte als ökologisch nachhaltig einzustufen.
Finanzierungsvorteile: Projekte, die den Taxonomie-Standards entsprechen, erhalten leichter Zugang zu grünen Krediten und Fördermitteln.
Regulatorische Anforderungen: Unternehmen müssen nachweisen, dass ihre Projekte den ESG-Kriterien entsprechen und zum Klimaschutz beitragen.
Beide Systeme werden von Banken und Förderstellen standardmäßig zur Projektanalyse eingesetzt, um „nachhaltige Investitionen“ dokumentieren zu können, und beeinflussen somit die Machbarkeit und Finanzierbarkeit von internationalen Investitionsprojekten ganz erheblich.
Abb 15: Praktische Vorteile einer Machbarkeitsstudie/Feasibility [Quelle: https://fastercapital.com]
Wurde die Projektidee bereits einer vorläufigen Analyse unterzogen, um zu prüfen, ob eine vertiefte Untersuchung gerechtfertigt ist? Welche Ergebnisse liegen vor?
Wie klar und nachvollziehbar sind die Projektziele und die erwarteten Ergebnisse formuliert?
Wurde der relevante Markt gründlich untersucht? Welche Erkenntnisse liegen zur Nachfrage, zum Wettbewerb und zur Zielkundschaft vor?
Wie realistisch sind Kapitalbedarf, laufende Betriebskosten, Umsatzprognosen und Rentabilität des Projekts eingeschätzt?
Welche finanziellen, technischen und operativen Risiken wurden identifiziert, und welche Maßnahmen bzw Strategien zur Risikominderung sind geplant?
Wurden auf Basis aller bisherigen Erkenntnisse konkrete Empfehlungen ausgesprochen, ob und wie das Projekt weiterverfolgt werden soll?
Liegt ein Abschlussbericht oder eine Machbarkeitsstudie vor, die eine fundierte Entscheidung über die Realisierung des Projekts ermöglicht?
S. 57Technische Machbarkeitsstudie
Welche Technologien und Systeme sollen im Projekt eingesetzt werden? Sind diese bereits am Markt etabliert und erprobt, oder sind zusätzliche Entwicklungen notwendig?
Über welche technischen Ressourcen (zB Maschinen, Software, qualifiziertes Personal) verfügt Ihr Unternehmen bereits, und wo bestehen noch Lücken oder Beschaffungsbedarf?
Wurde der Projektentwurf und wurden die technischen Spezifikationen umfassend geprüft? Welche potenziellen Engpässe oder Herausforderungen wurden dabei identifiziert?
In welchem Umfang ist die bestehende Infrastruktur (zB IT-Systeme, Produktionsstätten, Netzwerke) für die Umsetzung des Projekts geeignet? Welche Anpassungen sind ggf erforderlich?
Wie effizient und stabil sind Ihre bestehenden betrieblichen Prozesse in Bezug auf die Unterstützung des Projekts? Wo könnten Prozessanpassungen notwendig sein?
Ist das geplante technische System flexibel genug, um zukünftiges Wachstum oder notwendige Anpassungen bei veränderten Anforderungen zu ermöglichen?
Wie wurde der technische Entwicklungsaufwand kalkuliert? Wurde ein realistischer Zeitplan erstellt, der kritische Pfade und Abhängigkeiten berücksichtigt?
Welche technischen Risiken (zB Systemkomplexität, Schnittstellenprobleme, Kompatibilitäten) wurden identifiziert? Welche Strategien bestehen zur aktiven Risikominderung?
Rechtliche Machbarkeit
Welche gesetzlichen Anforderungen - etwa im Bereich Datenschutz, Umweltschutz und Arbeitsrecht - wurden für das Projekt geprüft, und wie wird deren Einhaltung sichergestellt?
Welche Genehmigungen, Zulassungen oder Lizenzen sind für die Projektrealisierung im Zielland erforderlich, und in welchem Stadium befinden sich die entsprechenden Verfahren?
Welche rechtlichen Verpflichtungen gegenüber Partnern, Dienstleistern oder Kunden bestehen im Rahmen des Projekts, und wie wurden diese vertraglich geregelt bzw bewertet?
Welche Schutzmaßnahmen wurden hinsichtlich geistigen Eigentums (zB Marken, Patente, Urheberrechte) getroffen, und wie ist der aktuelle Stand der Absicherung und Lizenzierung?
Wie wird im Projekt sichergestellt, dass alle umwelt- und arbeitsschutzrechtlichen Vorgaben im Zielland sowie im Herkunftsland eingehalten werden? Gibt es dazu spezifische Prozesse?
Welche Maßnahmen wurden ergriffen, um datenschutzrechtliche Anforderungen - insbesondere im Hinblick auf die DSGVO und länderspezifische Vorgaben - zu analysieren und umzusetzen?
Wirtschaftliche Machbarkeit
Wie wurde der Investitionsbedarf für das Projekt ermittelt? Welche konkreten Ausgaben für Anlagen, Personal, Infrastruktur und sonstige Ressourcen sind vorgesehen?
Auf welcher Grundlage wurden die erwarteten Einnahmen kalkuliert? Wie realistisch sind diese Schätzungen im Hinblick auf den Projektzeitplan und die Marktgegebenheiten?
Wurde eine Cashflow-Analyse durchgeführt, die alle laufenden Kosten (zB Personal, Material, Unterlieferanten) den geplanten Zahlungseingängen gegenüberstellt? Wie wurden mögliche Verzögerungen dabei berücksichtigt?
Wie wurde die erwartete Rentabilität des Projekts berechnet? Ab wann wird der Break-Even erreicht, und wie stellt sich die Kapitalrendite (ROI) im geplanten Zeitraum dar?
Welche Finanzierungsoptionen (zB Eigenkapital, Bankkredite, Fördermittel) wurden geprüft? Wie wurden deren Konditionen, Verfügbarkeit und Kosten bewertet?
Welche finanziellen Risiken (zB Marktveränderungen, Wechselkursschwankungen, Kostensteigerungen) wurden identifiziert? Welche Strategien bestehen, um diese Risiken zu minimieren oder abzusichern?