Suchen Kontrast Hilfe

Besitzen Sie diesen Inhalt bereits, melden Sie sich an.
oder schalten Sie Ihr Produkt zur digitalen Nutzung frei.

Dokumentvorschau
GRC aktuell 4, Dezember 2022, Seite 131

VUCA? BANI? Management und Audit in dynamischen Zeiten

Nachlese zur 41. Jahrestagung des Instituts für Interne Revision Österreich

Thomas Schwalb

VUCA? BANI? – Das Motto der Jahrestagung des Instituts für Interne Revision Österreich mag etwas verwirrend klingen – für die Teilnehmer:innen an dieser Konferenz am 29. und im wunderschönen Ambiente des Schloss Hotel Seggau sind diese Begriffe jetzt nicht nur geläufig, sondern auch mit Inhalten und Beispielen verknüpft.

Wir durften uns über Begrüßungsworte des Herrn Nationalratsabgeordneten Mag. Ernst Gödl freuen, der in Vertretung des steirischen Landeshauptmannes Mag. Christopher Drexler die Tagung eröffnete. Mag. Gödl bezeichnete Seggau als Kraftort und betonte die Wichtigkeit der Internen Revision für den Erfolg der Unternehmen.

Daran knüpfte der Unternehmer und Gestalter Ing. Herbert Ritter an, der nicht nur seine beeindruckende Erfolgsgeschichte schilderte, sondern auch ein Bekenntnis zum freien Unternehmertum abgab. Herbert Ritter zeigte anhand der Entwicklung seiner eigenen Unternehmen, wie er die stets wechselnden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen meistern konnte.

Herbert Ritter

Keine BANIk! …

… rief uns Mag. Eva Ayberk zu, auch wenn die gegenwärtigen und prognostizierten Krisen und Katastrophen ein düsteres Bild abgeben. Konnten wir früher von Planbarkeit und Gestaltungsmöglichkeiten nach dem Ursache-Wirkung-Prinzip ausgehen, sind wir jetzt durch Digitalisierung, Globalisierung, Fachkräftemangel, Pandemie und geopolitische Veränderungen vor ganz neue Herausforderungen gestellt. Eva Ayberk gab uns einige Tipps, wie wir damit umgehen können:

  • Ruhe bewahren: nicht noch mehr und noch schneller, sondern achtsamer agieren.

  • Kontextbewusstsein entwickeln: die Systeme erkennen und entsprechend darauf reagieren (von komplizierten Systemen zu komplexen Systemen in der VUCA-Welt zu chaotischen Systemen in der BANI Welt).

  • Agile Methoden sinnvoll nutzen.

  • Auf Empathie bauen und die Resilienz stärken.

Keine BANIk! …

Eva Ayberk

Diversity Management

Unternehmensberaterin DI Sabine Pelzmann beantwortet die Frage „Diversity in Management und Audit – wieviel Vielfalt darf/muss sein?“ Kern- und Ausgangspunkt ihrer Ausführungen war das Viable-System-Model (VSM) nach Stafford Beer, der in der Funktionsweise des menschlichen Zentralnervensystems auf ein allgemeines Modell für die Lebensfähigkeit von Organisationen schließt. Ein weiterer Aspekt war die Auswirkung von Diversity auf den Erfolg von Unternehmen. Kurz zusammengefasst: gemischte Teams sind erfolgreicher!

Governance im Public Sector

Die Zukunft der Governance im Public Sector wurde vom Direktor des Stadtrechnungshofes Graz, Mag. Hans-Georg Windhaber, in seinem Vortrag skizziert. Er erläuterte die kognitive Dissonanz am Beispiel der Truthahn-Illusion: Der Vogel wird gut gefüttert und freut sich seines Lebens, und erwartet eine lineare Fortsetzung – aber das Ende ist abrupt, denn er wird geschlachtet und als Braten verzehrt.

S. 132Die Erwartung einer linearen Entwicklung ist mehr als gefährlich. Auch in der (reglementierten) öffentlichen Verwaltung sind Vertrauen, schnelles iteratives Lernen und Freiheitsgrade wichtige Erfolgsfaktoren.

Governance im Public Sector

Hans-Georg Windhaber

Bankenrevision im 21. Jahrhundert

Mag. Gert Pirker und Mag. Elisabeth Schützenhöfer, Interne Revision der Raiffeisen-Landesbank Steiermark gaben Einblicke in die Bankenrevision im 21. Jahrhundert. Der Erfolg der Abteilung wird mit unterschiedlichen KPI’s gemessen. Immer wichtiger wird die Entwicklung der Skills der Revisor:innen.

Dazu gehören auch die Kommunikation mit den Geprüften und der Umgang in schwierigen Gesprächssituationen. Die Anforderungen an die Interne Revision in einer Bank sind geprägt durch eine extreme Flut an Regulierungen.

Innovation in „Old“ Companies

Das Innovationsmanagement in „Old“ Companies am Beispiel der Energie Steiermark präsentierte Thomas Wiedner, der Leiter des next incubator. Er gab einen beeindruckenden Überblick über die Projekte in seiner Abteilung, die in mehreren Phasen von der Anbahnung und Umsetzung bis in den Dauerbetrieb übergeführt werden. Schwerpunkte sind E-Mobility, Energiespeicher der Zukunft und Energieeffizientechnologien.

Innovation in „Old“ Companies

Thomas Wiedner

Betriebsausflug in die Zukunft

Den Abschluss des ersten Tages der Jahrestagung war ein „Betriebsausflug in die Zukunft“. Markus Petz von Metashift und Markus Stelzmann von TELE-Haase stellten das TELE-Haase-Konzept vor (… das eigentlich keines ist, wurde behauptet).

  • Erstes wirklich demokratisch geführtes Unternehmen Österreichs – es gibt keinen Chef, nur einen „Regisseur“.

  • Transparenz und Veränderung – alle wissen alles und sind in der Lage alles zu verändern.

  • Freiheit + Verantwortung = nachhaltig Wirtschaften.

Kann das funktionieren? TELE-Haase ist der Beweis dafür!

Betriebsausflug in die Zukunft

Markus Kretschmann

Weiterentwicklung in der VUCA- und BANI-Welt

Der zweite Konferenztag begann mit einem Vortrag, der wohl mental vielen Teilnehmer:innen einiges abverlangt hat: „(Selbst) Reflexion als Erfolgsfaktor unserer Zeit“, vorgetragen von Oliver Kritzler vom AVL Institut. Wie können und müssen wir uns in der VUCA- und BANI-Welt weiterentwickeln? Selbstreflexion bedeutet über sich selbst nachzudenken, Reflexion – das Revue passieren von Erfahrungen. Gerade auf negative Erfahrungen sollte eine Reflexion erfolgen. Ohne Reflexion findet kein Lernprozess, keine Entwicklung und keine Verbesserung statt.

Homo Revisorus Rex

In gewohnt pointierter Weise erläuterte der Leiter der Internen Revision der Energie Steiermark, Dr. Markus Fally, seine Sicht auf die Interne Revision als „Homo Revisorus Rex“. Die Interne Revision wird mit neuen Herausforderungen konfrontiert, seien es Energiehandel, Take or Pay Verträge Gas, Innovationsmanagement, Nachhaltigkeitsstrategie, um nur einige zu nennen. Dazu kommen ISMS und Datenschutz, Digitalisierung, Artificial Intelligence etc.

S. 133All das hat Auswirkungen auf die Arbeit der Internen Revision. „Wo wollen/müssen wir hin und wie erreichen wir das?“ Für das Behalten/Erreichen eines guten Standings in der Organisation ist eine umfangreiche To-Do-Liste abzuarbeiten, beginnend von der Digitalisierung der Internen Revision bis zum „Hunt for Talents“.

Fazit: Für eine zukunftsorientierte, offene, professionelle Interne Revision sollte USP nicht „unique status of prepotence“ bedeuten!

Homo Revisorus Rex

Markus Fally

Erwartungen an die Interne Revision

„Change – digitale Transformation – Agilität – Diversität: Erwartungen als Aufsichtsrätin an die Interne Revision“ war der Titel der abschließenden Keynote von Frau Vizerektorin der TU Graz, Dipl.-Wirtschaftsingenieurin Claudie von der Linden. Veränderung muss als stetige „normale Entwicklung“ verstanden werden und führt zwangsläufig zu einem Paradigmenwechsel.

Bei der digitalen Transformation, die ein Treiber für die Veränderungen ist, muss berücksichtigt werden, dass sich auch die Unternehmenskultur im Sinne einer digitalen Mentalität weiterentwickeln muss und natürlich auch das Risk Management und das IKS.

Gemeinsam sind dem Aufsichtsrat und der Internen Revision die Kontrollfunktion und die Unterstützung der Unternehmenssteuerung. Weitere Gemeinsamkeiten sind die Zukunftsorientierung, die Funktion als Digitalisierungstreiber und als Change Agents. Als Aufsichtsrätin erwartet Frau von der Linden von der Internen Revision Qualifikation, Qualität, Vertrauen, ein breites Knowhow-Portfolio und umfassende Prüfkompetenzen im Audit Universe. Vorausgesetzt werden Unabhängigkeit und strategisches Bewusstsein, Social Skills sowie Konfliktfähigkeit.

Erwartungen an die Interne Revision

Claudia von der Linden

Die Jahrestagung fand in hybrider Form statt. Die Präsenzteilnehmer:innen diskutierten auch in den Pausen intensiv über die hochinteressanten Themen und gewonnen Einsichten und auch die virtuellen Teilnehmer:innen konnten ihre Fragen an die Vortragenden richten.

Thomas Schwalb
Daten werden geladen...