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GRC aktuell 1, März 2023, Seite 18

Triple Entry Accounting – die Zukunft der Buchführung?

Martin Setnicka und Christoph Lackinger

Die Buchhaltung steht vor einem Umbruch. Mit der Einführung der dreifachen Buchführung , auch Triple Entry Accounting genannt, wird es möglich sein, die Redundanz der Buchungseinträge zu vermeiden. Dadurch ist es nicht mehr erforderlich, die einzelnen Transaktionen eigens in der Buchhaltung zu erfassen. Zusätzlich dazu schützt dieser „dritte Layer“ auch vor betrügerischen Aktivitäten.

1. Die Geschichte der Buchführung

Die Ursprünge der Buchführung gehen bis zur Entstehung der Schrift zurück. Vor etwa 5000 Jahren verwendeten die Sumerer und Mesopotamier sogenannte „Listen“, auf denen die Anzahl der Tiere und Lebensmittel beschrieben wurde. Diese Listen oder auch die einfache Buchführung wurden verwendet, um zu subtrahieren oder zu addieren. Sobald ein Gegenstand auf Lager gelegt wurde, wurde die Liste um eben diesen erweitert und gestrichen, sobald dieser verwendet wurde.

Die moderne Finanzbuchhaltung, die auf dem System der doppelten Buchhaltung basiert, besteht seit ungefähr 600 Jahren und wurde unter anderem geprägt durch Benedikt Kotruljević (geschrieben 1458, veröffentlicht 1573) und Luca Pacioli (1494). Die doppelte Buchführung erleichterte die Erstellung von genaueren und fehlerfreien Finanzberichten, wodurch die immer größer werdenden Unternehmen davon erheblich profitierten. Ein weiterer Vorteil dieser genaueren Finanzberichterstattung ist die Reduktion sowohl der Fehler als auch der betrügerischen Aktivitäten.

Dennoch ist auch die doppelte Buchführung nicht fehlerfrei. Durch die interne Überwachung der doppelten Buchführung führt dies oft zu Vertrauens- und Transparenzproblemen sowie zu Transparenzfragen für Außenstehende wie Regierungen oder auch Aktionär*innen. Das Problem hierbei ist, dass die Transaktionen zwischen den Unternehmen, die Eingangs- und Ausgangsrechnungen, nicht zeitgleich spiegelverkehrt mit der Erstellung abgebildet werden.

Weiters gibt es eine Zeitverzögerung der Information, da die Jahresabschlüsse nur einmal im Jahr veröffentlicht werden und somit keine tagesaktuellen Daten verfügbar sind. Aktuell gibt es keine Lösung für dieses Problem in der doppelten Buchführung. Um den erstgenannten Problemen entgegentreten zu können, werden unabhängige externe Prüfer*innen eingesetzt, um die Finanzdaten der Unternehmen zu überprüfen. Diese gewährleisten die Integrität und Validität der Finanzdaten, jedoch sind die derzeitig angewandten Buchführungs- und Rechnungsprüfungsverfahren sehr kostspielig und zeitaufwendig. Darüber hinaus sind alle diese Maßnahmen als Schutzwall gegen Betrug nicht ausreichend wie ein Bericht der Association of Certified Fraud Examiners (ACFE) zeigt.

Laut dem Bericht der ACFE beträgt die Höhe der Betrugsverluste weltweit im Jahr 2017 in etwa 4 Billionen US-Dollar. Nur 4 % alle jener Betrugsverluste werden von den Prüfer*innen jährlich aufgedeckt. In den meisten Fällen umfasst die Betrugshandlung nicht die Begehung der Tat, sondern liegt in der Bemühung die Tat zu verschleiern oder zu verbergen. Die wichtigste Methode zur Verhinderung des Finanzbetruges ist es, die Verschleierung oder Verbergung zu erschweren. Um dies zu erreichen, ist es auf der einen Seite notwendig die Rechnungslegungsinformationen zu erhöhen und auf der anderen Seite eine erhöhte Transparenz zu forcieren.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung macht das Triple Entry Accounting auch TEA genannt. Dieses System ist eine zusätzliche „Schicht“ oder Komponente, die automatisiert die Transaktionen zwischen Unternehmen erfasst und abspeichert. Dadurch soll ermöglicht werden, dass es in Zukunft keiner Audits bzw einer Überprüfung durch externe Unternehmen bedarf, da alle Transaktionen extern und sicher abgespeichert sind. Weiters führt dies zu erhöhter Sicherheit und zur Bekämpfung von Betrug, da die Einträge im Nachhinein nicht mehr verändert werden können.

S. 192. Der Ursprung des Begriffs „Triple Entry Accounting“

Der Begriff „Triple Entry” wurde ursprünglich von Yuji Ijiri im Jahr 1986 geprägt. Ijiri war der Meinung, dass es neben den zweifachen Einträgen zusätzlichen einen dritten „Layer“ oder eine dritte Schicht geben sollte. Der Hintergrund hinter diesem neuen System für Ijiri war es, dem Unternehmen zusätzliche Echtzeit-Information zu Verfügung zu stellen. Dadurch soll eine bessere strategische Entscheidungsfindung ermöglicht werden.

Zwanzig Jahre später schrieb Ian Grigg im Jahr 2005 sein Working Paper mit dem Titel „Triple Entry Accounting“. Er gab dem Begriff, im Gegensatz zu Ijiri, eine ganz andere Bedeutung im Bereich der Buchhaltung bzw Buchführung. Ian Grigg beschrieb ein neues Konzept, in welchem zwei Parteien eine digital unterschriebene Rechnung die kryptografisch verschlüsselt wird an einen „dritten Layer“ schicken.

Dieser „dritte Layer“ speichert, sofern die beiden Unternehmen zustimmen, dass die Rechnung richtig ist, die Daten sicher und unveränderbar ab. Dies führt dazu, dass der Betrug verringert und auch die Redundanz der internen Erfassung vermieden wird. Redundant werde die Transkationen, da es nun mehr nicht mehr erforderlich ist, jede Transkation in der jeweiligen Buchhaltung zu erfassen. Dies wird erledigt durch einen einzigen Eintrag auf dem „dritten Layer“.

Zusammengefasst kann gesagt werden, dass Ijiri den Begriff „Triple Entry“ bereits im Jahre 1986 beschrieben hat. Grigg hingegen hat diesen Begriff aufgegriffen und neu definiert, wodurch es immer wieder zu Verwechslungen kam, wer ursprünglich den Begriff „Triple Entry Accounting“ geprägt hat. Sogar einige Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen denken fälschlicherweise, dass Ijiri den Begriff der „dreifachen Buchführung“ geprägt hat.

3. Von der doppelten Buchführung zum Triple Entry Accounting (TEA)

Im Bereich der Buchführung wird das Konzept des TEA als neues Schlüsselkonzept angesehen. Wichtig hierbei ist, dass TEA in erster Linie mit dem Bereich der Blockchain nichts zu tun hat. Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube, dass Blockchain gleich TEA ist. Triple steht hierbei nicht für eine dritte Partei, sondern repräsentiert mehr eine extra Komponente zur doppelten Buchführung, welche als Verbindungsglied fungiert. Sehr oft wird jedoch eine Blockchain als dritte Komponente benutzt, da diese eben sicher und verlässlich ist.

Exkurs: Blockchain

Die Technologie der Blockchain wurde vor etwas mehr als einem Jahrzehnt erstmals im Jahr 2008 nach der Finanzkrise von Nakamato beschrieben. Eine Blockchain kann beschrieben werden als eine chronologische Reihenfolge von Block-Transaktionen oder auch eine Datenbank von Transaktionen. Jeder Block verweist auf den Block davor, welcher dann wieder auf den Block davor verweist. Dies geht so lange bis der sogenannte Genesis-Block erreicht wird. Bei dem Genesis-Block handelt es sich um den „Ursprungs-Block“.

Sobald ein neuer Block gebildet wird, wird eine Nachricht an alle Nutzer und Nutzerinnen des Netzwerks gesendet, den neuen Block hinzuzufügen. In jedem Block befindet sich eine gewisse Anzahl von Transaktionen, welche zu dem letzten Block hinzugefügt werden. Dies geschieht durch den Konsens über die Authentizität unter den Nutzern und Nutzerinnen. Diese Information wird dann an alle Personen des Netzwerks weitergegeben und auf deren Datenbanken oder Servern aktualisiert. Somit werden in dem Blockchain-System alle Transaktionen, welche einen Konsens erreicht haben, aufgezeichnet. Aufgrund der Anmeldung mit zwei Schlüsseln, der kryptografischen Verschlüsselung und der Weitergabe an alle Benutzer*innen des Systems, ist es nahezu unmöglich dieses System zu hacken. Somit kann die Blockchain als unveränderbar und äußerst sicher angesehen werden.

Weiters kann zwischen zwei unterschiedlichen Arten von Blockchains unterschieden werden. Auf der einen Seite gibt es Blockchains ohne Genehmigung (permissionsless) und welche mit Genehmigung (permissioned). Ein Beispiel für eine Blockchain ohne Genehmigung ist die Kryptowährung Bitcoin. Dies bedeutet, dass jede Nutzerin und jeder Nutzer an der Blockchain teilnehmen und diese auch aktualisieren kann. Die genehmigungspflichtigen Blockchains hingegen sind nur für eine vordefinierte Anzahl von Personen oder Unternehmen zugänglich. Ein Beispiel hierfür wären die Behörden eines Landes oder auch eine Gemeinschaft von Personen.

S. 20Wie bereits in den vorherigen Absätzen beschrieben, wurde der Begriff des Triple Entry Accounting erstmals von Ian Grigg im Jahr 2005 geprägt. Grigg war der Meinung, dass der Betrug und die Fehler in der Buchführung verhindert werden können, wenn die Unternehmen nicht mehr die einzigen Aufzeichner der Geschäftsvorgänge sowie Buchungen sind. Eine dritte Partei bzw die dritte Komponente kann hierbei eine kryptografisch gesicherte Buchung zwischen zwei Unternehmen speichern. In dieser gesicherten Buchung wird der Kredit des einen Unternehmens als Debit bei dem anderen Unternehmen aufgezeichnet.

Ein illustratives Beispiel für einen solchen Vorgang:

Doppelte Buchführung

Ein Zahlungsvorgang zwischen den zwei Unternehmen A und B. Unternehmen A muss Unternehmen B 50 Euro für eine Dienstleistung zahlen. Bei der doppelten Buchführung existiert diese Rechnung sowohl in der Buchhaltung von A als auch B. Im Falle von A als Kredit und bei B als Debit.

Triple Entry Accounting

Im Falle der dreifachen Buchführung, wie in der Grafik darunter visualisiert, mit eben dem TEA schreibt Unternehmen A eine Rechnung mit einer Unterschrift signiert an einen „Third shared ledger“. Dieser „Third shared ledger“ kann in diesem Fall eine Blockchain sein. Sobald Unternehmen A diese Rechnung einträgt, sieht Unternehmen B diese Rechnung und kann sie ebenfalls, falls korrekt, unterschreiben und signieren. Dieser Eintrag auf der „Third shared ledger“ ist dann unveränderlich gespeichert. Somit können weder A noch B in ihrer Buchhaltung andere Werte eintragen oder später abändern. Somit validiert der Eintrag in den „Third shared ledger“ die Transaktion automatisch und der Eintrag in der jeweiligen Buchhaltung wird redundant.

4. Vorteile von TEA

Die folgenden Vorteile ergeben sich durch die Nutzung von Triple Entry Accounting, bei der eine Blockchain genutzt wird, um die Rechnungen abzuspeichern:

1.

Die Zahlungen werden in einer chronologischen Reihenfolge gespeichert und können im Nachhinein nicht mehr verändert werden. Wenn es doch zu Änderungen kommen sollte, muss ein Eintrag hinzugefügt werden. Der alte Eintrag kann jedoch nicht gelöscht werden und bleibt bestehen.

2.

Es gibt keinen zentralen Server, auf dem alle Daten abgespeichert werden, wodurch das Risiko von Sicherheitsproblemen reduziert wird.

3.

Der Datensatz stellt eine Verknüpfung zwischen den internen Datensätzen der Unternehmen dar.

4.

Die Eintragungen sind leicht überprüfbar und können somit durch eine*n interne*n oder externe*n Prüfer*in leicht nachvollzogen werden.

5.

Die Zahlung erfolgt in Form von „Token“, also Kryptowährungen, was wiederum die Unabhängigkeit zu einer Bank widerspiegelt.

Die Vorteile zeigen, dass durch die Einführung des TEA der interne Betrug drastisch reduziert und die betriebliche Effizienz gesteigert werden kann. Weiters können Zeit und Kosten für interne und externe Prüfungen durch die fehlende Redundanz ebenfalls stark reduziert und automatisiert werden.

S. 215. Nachteile von TEA

Natürlich kann die Blockchain nicht alle Betrugsarten und Betrugsschemen verhindern. Ein Beispiel für ein Betrugsschema, welches durch TEA nicht verhindert werden kann, wäre das sogenannte Ponzi-Schema.

Neben den vielen Vorteilen, die TEA mit sich bringt, gibt es natürlich auch noch andere Bedenken und Nachteile.

1.

Öffentliche Blockchains:

Gerade im Bereich der Steuerberatung besteht ein großer Wunsch nach Vertraulichkeit. Dies führt dazu, dass öffentliche Blockchains oftmals unerwünscht sind, da die gesamten Daten und Transaktionen öffentlich und somit für jede Person einsehbar wären.

2.

Private Blockchains:

Es besteht zwar die Möglichkeit für Unternehmen, eine private Blockchain zu benutzen. Jedoch besteht hierbei das Problem, dass diese privaten Blockchains rückwirkend manipuliert werden können.

3.

Transaktionsdauer und Skalierung:

Ein weiteres Problem stellt die Transaktionsüberprüfung dar. Da das System noch nicht sehr ausgereift ist, dauert eine Transaktion vom Eintrag bis zu Verifizierung bis zu 15 ms. Daraus resultiert ein Skalierungsproblem bzw die Kosten steigen mit der Anzahl der Teilenehmer*innen.

Auf den Punkt gebracht

Die Buchführung hat sich im Laufe der Jahrtausende stark verändert. Von der einfachen Buchführung der Sumerer und Mesopotamier bis hin zur doppelten Buchführung, geprägt durch Kotruljević und Pacioli. Vor etwa 40 Jahren wurde dann erstmalig der Begriff „Triple Entry“ von Yuji Ijiri in der Literatur erwähnt. Ian Grigg fasste diesen Begriff auf und gab dem Begriff eine ganze andere und neue Bedeutung.

Triple Entry Accounting (TEA) wird als das neue Schlüsselkonzept der modernen Buchhaltung gesehen. Hierbei kann eine Blockchain als Verbindungsglied zwischen zwei Unternehmen fungieren. Auf der Blockchain werden alle relevanten Daten einer Transaktion, zB einer Rechnung, gespeichert. Durch die besonderen Eigenschaften der Blockchain – sie ist unveränderbar und durch ihre dezentrale Ausrichtung auch sicherheitstechnisch schwer angreifbar, können betrügerische Vorgänge und Fehler verhindert werden.

Die wahre Revolution durch TEA ist die Vermeidung jeglicher Redundanz und die Automatisierung der Buchhaltung. Wie bereits erläutert, ermöglicht TEA einen einzigen Eintrag auf einem „dritten Layer“ und es ist nicht mehr erforderlich, die Einträge separat spiegelbildlich in der Buchhaltung zu erfassen.

Wichtig ist jedoch auch, dass die Blockchain bzw TEA nicht alle Betrugsarten verhindern kann. Das Ponzi-Schema beispielsweise kann durch den Einsatz der Blockchain nicht ausgeschlossen werden. Weiters gibt es auch andere Nachteile wie den öffentlichen Zugang und die Einsicht auf die Blockchain oder die Dauer der Transaktionsüberprüfung.

Trotz der derzeit noch nicht behobenen Lösungsansätze überwiegen die vielen Vorteile des TEA. Das Triple Entry Accounting gibt somit eine Möglichkeit vor, wie die Zukunft der modernen Buchführung aussehen könnte.

Martin Setnicka / Christoph Lackinger
5. Nachteile von TEA

Martin Setnicka, PhD. ist Gründer der Beratungsagentur S!MART thinking sowie Programmleiter des Zertifikatsprogramms „Digitalisierung im Steuer- und Rechnungswesen“ sowie „Digital Accounting Business Partner für KMU“ an der FH Campus Wien.

5. Nachteile von TEA

Christoph Lackinger, BA unterstützt S!MART thinking als Digital Translator. Er ist Absolvent des Studiengangs Tax Management (FH Campus Wien) und steht kurz vor dem Abschluss seines Wirtschaftsinformatik-Studiums (WU). Aktuell absolviert er den Masterstudiengang Steuerlehre und Rechnungslegung (WU).

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