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Blick in die Immobilienbranche
Das Jahr ist vorbei – und damit ist es immer wieder interessant, einen Blick in die Zukunft zu werfen. 2024 wird definitiv ein herausforderndes Jahr. Die Frage ist nur: Wie herausfordernd?
Verwerfungen in der Signa
Das große Thema der Branche – die Verwerfungen in der Signa – wird in allen Medien rauf und runter gespielt. „Unserer Branche tut das nichts Gutes. Die Signa stand im öffentlichen Fokus mit tollen Projekten und schillernden Persönlichkeiten, und daher schlachten die Medien das auch aus“, meint Johannes Endl, Vorstand der ÖRAG. Ein „Imageschaden“ für die gesamte Branche ist es auf jeden Fall, wie Andreas Holler, Geschäftsführer der Buwog, feststellt. Unabhängig davon haben die heimischen Profis noch einen etwas anderen Blick auf die Signa. In dem Tumult und dem Geschrei rund um René Benko wird eines vergessen, wie unter anderem Wolfgang Kradischnig, Geschäftsführer der DELTA Gruppe, sagt: „Die Signa war in vielen Bereichen in der Branche auch positiver Vorreiter, was die ESG-Thematik betrifft, oder Abwicklungskompetenz.“ Andreas Holler bestätigt: „Der Immobiliensektor war mit professionellen Leuten besetzt, und sie haben gute Projekte gemacht. Es wäre wohl besser gewesen, man hätte sich nur mit Immobilien befasst.“ Auf jeden Fall wird uns das Unternehmen auch 2024 beschäftigen. Wie intensiv, das wird die nächste Zeit zeigen.
Sinkende Zinsen im Jahr 2024?
Aber es gibt noch andere Themen: Einen wesentlichen Aspekt wird sicherlich die Zinsentwicklung darstellen. Nach einer beispiellosen Serie von zehn Zinsanhebungen in der Folge im Kampf gegen die hohe Inflation hatten die Währungshüter der EZB die Zinsschraube ab Oktober nicht weiter angezogen. Das führt zur Hoffnung auf sinkende Zinsen im Jahr 2024. Bernd Gabel-Hlawa, Co-Founder von FindMyHome.at: „Ich glaube fest daran, dass es im dritten Quartal 2024 zu einer Zinssenkung kommt und die KIM-Verordnung gelockert wird. Das wird den Immobilienmarkt wieder beflügeln und auch jenen mehr Luft geben, die in einem variablen Kredit sind.“
Warten bei den Banken
Was die Banken betrifft, so scheinen sie derzeit noch die Füße still zu halten. „Ich habe den Eindruck, dass viele Banken auf Abwarten geschaltet haben, aber man hört jetzt doch, dass sie ungeduldig werden und Lösungen suchen“, so Wolfgang Wagner, Geschäftsführer EHL Immobilienbewertung. Diese Lösungen werden dazu führen, dass Objekte auf den Markt kommen werden. „Ich hoffe, in geordneter Form.“ Derzeit gibt es aber bereits einige Banken, „die unerwartet Eigentümer von Immobilien geworden sind“, so Wolfgang Wagner. Bevor man das Gebäude komplett abschreibt, nimmt man es lieber in das eigene Portfolio auf und wartet, wie sich der Markt in zwei oder drei Jahren darstellt. Aktuell muss man bei der Investorensuche auf die kapitalstarken Privaten hoffen. Die gibt es nach wie vor, und Thomas Rohr, Immorohr Immobilien, ist überzeugt: „Auf jeden Fall wird das Jahr 2024, zumindest das erste Halbjahr, die Zeit der privaten Investoren werden.“
Neues vom Eigentums- und Mietenmarkt
Gänzlich verändert hat sich seit der KIM-Verordnung der Eigentums- und Mietenmarkt. Raus aus Eigentum und rein in die Miete führt zu einem schwächeren Mietangebot, und Daniel Deutsch, Geschäftsführer BE Real Immobilien, stellt fest, dass die Mieter wieder „respektvoller“ geworden sind: „Sie wissen, dass sie jetzt Kunde sind, die nichts für die Dienstleistung bezahlen.“ Das zeigt sich im Auftritt der Suchenden und der Pünktlichkeit. „Früher sind die Interessentinnen und Interessenten oft nicht gekommen und haben das Handy abgedreht, damit sie nicht erreichbar sind. Jetzt sind sie überpünktlich und höflich. Und möchten etwas von dir.“ Zumindest etwas Positives. Im Eigentumsmarkt zeigt sich mittlerweile eine Zweiteilung: „Ganz teure oder ganz billige Wohnungen funktionieren beim Kauf, das gilt österreichweit“, sagt Martina Hirsch, Geschäftsführerin der sREAL. Das mittlere – sehr starke – Segment wird aktuell kaum gesucht.
Zukunftsprognose
Einig ist man sich in der Branche, dass es 2024 wieder zu mehr Dynamik auf den Märkten kommen wird. „Wir erwarten im zweiten Halbjahr 2024 eine Änderung, die Entwicklung wird wieder dynamischer werden“, schätzt unter anderem Georg Spiegelfeld, Präsident Immobilienring Österreich, die Marktsituation optimistisch ein.
