Gründungsmanagement kompakt
6. Aufl. 2018
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S. 595. Gründungsfinanzierung
Gerade zu Beginn einer Gründung beschäftigen sich Unternehmensgründer mit finanziellen Fragen: Wofür wird Kapital benötigt? Woher kommt das Kapital? Wann und wie viel Kapital wird benötigt? Für die zweite Frage muss die Unternehmerperson zunächst entscheiden, welche Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung in Betracht kommen. Dazu werden in diesem Kapitel verschiedene Finanzierungsinstrumente und -formen erläutert. Die Herausforderungen liegen für die Gründerperson darin, diese Instrumente je nach Ausgangslage des Gründungsvorhabens zu bewerten und versuchen, rational zu handeln, um langfristig die Zahlungsfähigkeit zu sichern und darüber hinaus Mehrwert zu generieren.
Kapitalbeschaffung
Die Ermittlung der Finanzierungskosten und die Entscheidung für bestimmte Finanzierungsquellen, welche am besten zu den Unternehmenszielen passen, sind Aufgaben des Finanzmanagements. In der Gründungs- und frühen Entwicklungsphase stellt die Kapitalbeschaffung eine der größten Hürden im Gründungszyklus dar. Dies ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen:
das Ertragsrisiko des Kerngeschäfts beeinflusst die Zusammensetzung der Finanzierungsquellen,
es besteht noch keine Aussicht auf Erträge aus dem Unternehmen,
es können Finanzierungspartnern (z.B. Banken) in der Regel keine umfangreichen Sicherheiten geboten werden,
es gibt keine vergangenheitsbezogenen Daten aus dem Unternehmen.
Nicht überraschend ist deshalb das Ergebnis einer Jungunternehmerbefragung in Oberösterreich: Eigenmittel und Bankkredite stellen die weitaus wichtigsten Finanzierungsquellen dar, während Risikokapital deutlich unterrepräsentiert ist (Weiß/Kailer 2008).
5.1. Gründungsformen und Finanzierungsmodelle
Gründungsform
Bei technologieorientierten Gründungen ist ein hoher Innovationsgrad der Gründungsidee charakteristisch. In der Regel soll ein Geschäftskonzept umgesetzt werden, das bisher noch nicht am Markt existiert, und daraus ergibt sich oftmals ein hohes Wachstumspotenzial für das Unternehmen. Bei der imitierenden Unternehmensgründung wird ein Geschäftskonzept mit einem Produkt bzw. Leistungsangebot realisiert, das bereits am Markt besteht. Unter dem Aspekt der Minimierung von Anlaufverlusten soll möglichst rasch eine stabile Ertragslage erreicht werden, um langfristig das Einkommen der Unternehmerperson zu gewährleisten. Zahlenmäßig überwiegt bei Neugründungen die letztere imitierende Gründung, sie hat im Vergleich zur innovativen Unternehmensgründung den Vorteil, dass bereits auf bestehende Daten (z.B. Branchenzahlen etc.) zurückgegriffen werden kann und dadurch das Finanzierungsrisiko kalkulierbarer wird.
S. 60Je nach Gründungsform gibt es unterschiedliche Modelle der Startup-Finanzierung. Zwei wesentliche Modelle, die unterschieden werden, sind zum einen das Low-Budget-Modell (z.B. Self-Feeding-Ansatz oder Bootstrap-Ansatz) sowie zum anderen das Big-Money-Modell, das die Grundlage für die Finanzierung innovativer oder schnell wachsender Unternehmen mit einem hohen Kapitalbedarf bildet (Nathusius 2001).
Self-Feeding-Ansatz
Beim Low-Budget-Modell stehen den Unternehmensgründern Finanzierungsalternativen nur in eingeschränktem Ausmaß zur Verfügung und im Wesentlichen sind die Gründer auf die Möglichkeiten zur Selbstfinanzierung und den Einsatz ihrer eigenen Arbeitskraft angewiesen. Die Aufnahme von Fremdkapital ist i.d.R. keine Alternative, da keine oder nicht in ausreichendem Umfang bankübliche Sicherheiten zur Verfügung stehen. Die nicht vergütete Arbeitsleistung der Gründer und die selbst finanzierten Vermögenswerte, wie eigene Fahrzeuge oder Computer, bilden häufig die wesentlichen Grundlagen für die Gründung.
Bootstrap-Ansatz
Der Bootstrap-Ansatz ist geeignet für Gründungsvorhaben, die zwar hohes Wachstumspotenzial, jedoch einen niedrigen Innovationsgrad aufweisen und einen eingeschränkten Zugang zu Kapital haben. Typische Finanzierungsquellen sind das Eigenkapital der Gründer, FFF (family, friends, foolhardy investors), öffentliche Förderprogramme in Form von Eigen- oder Fremdkapital bzw. Mezzaninkapital, Bank- und Lieferantenkredite oder Leasingfinanzierungen.
Big-Money-Modell
Bei technologieorientierten Gründungen bilden ein markttragfähiges Geschäftsmodell, eine aussichtsreiche unternehmerische Gelegenheit sowie ein überzeugender Businessplan i.d.R. die Grundlage für die Verwirklichung des Big-Money-Modells. Diese Unternehmen haben aufgrund ihres zu erwartenden überdurchschnittlich dynamischen Wachstums einen hohen Kapitalbedarf und benötigen Investoren, um diesen zu decken (z.B. Business Angels und Venture-Capital-Gesellschaften). Weitere Finanzierungsmöglichkeiten sind Mezzanine-Finanzierungen, Privatplatzierungen (Private Placements) und in einer späteren Phase u.U. die Erstemission an der Börse im Sinne eines Initial Public Offering (IPO).
Außen- vs. Innenfinanzierung
Bei der Unterscheidung der Finanzierungsformen hat sich in der Literatur als gängigste Variante jene nach Rechtsposition der Kapitalgeber und nach dem Zufluss von liquiden Mitteln herauskristallisiert. In Bezug auf die liquiden Mittel ist das Kriterium, ob die finanziellen Mittel von außen in das Unternehmen fließen (Außenfinanzierung) oder ob diese aus der operativen Geschäftstätigkeit des Unternehmens lukriert werden (Innenfinanzierung).
5.2. Außenfinanzierung
Unterscheidung nach Rechtsposition der Kapitalgeber
Eine wesentliche Entscheidung der Unternehmerperson in Verbindung mit der Suche nach Kapitalgebern betrifft die rechtliche Position und die daraus resultieS. 61renden Eingriffsmöglichkeiten (externer) Kapitalgeber ins Unternehmen. In diesem Zusammenhang versteht man unter Eigenfinanzierung, dass die rechtliche Position des Kapitalgebers der eines Unternehmenseigentümers gleichzusetzen ist. Umgekehrt werden hingegen bei der Fremdfinanzierung dem Unternehmen finanzielle Mittel durch Institutionen von außen zugeführt, wobei dies i.d.R. gegen Bereitstellung entsprechender Sicherheiten erfolgt (Gläubigerstellung externer Kapitalgeber).
5.2.1. Eigenfinanzierung
Eigenmittel der Unternehmerperson
Eigenkapital ist der Kapitalanteil, den die Unternehmerperson selbst aufbringt und dem Unternehmen dauerhaft zur Verfügung stellt. Dabei ist Eigenkapital nicht mit festen Tilgungsleistungen verbunden und dient zur Haftung von Verbindlichkeiten des Unternehmens (Haftungsfunktion). Eigenkapitalgeber tragen das Risiko hinsichtlich Gewinn und Verlust, haben einen Anspruch auf Gewinnbeteiligung und dadurch auch Einfluss auf die Geschäftsführung. Eigenkapital kann sowohl in monetärer Form als auch in Form von Gegenständen (Sacheinlagen) in das Unternehmen eingebracht werden. Je höher die eingebrachten Eigenmittel sind, desto kreditwürdiger und finanziell unabhängiger ist das Unternehmen, denn die Einräumung von Bankkrediten orientiert sich an der Höhe des eingesetzten Eigenkapitals. In der Regel sollte die Eigenkapitalquote (Verhältnis des Eigenkapitals zum Gesamtkapital) bei 15 bis 25 % liegen. Weiters muss das Eigenkapital eine kontinuierliche Kreditaufnahmefähigkeit garantieren können, um bei Liquiditätsengpässen Darlehen oder Kredite aufnehmen zu können (Fremdkapitalbeschaffungsfunktion). Eigenkapital ist somit von der Funktion her ein Risikopuffer und sichert die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens gegenüber Liquiditätsproblemen ab.
3F-Kapital
Neben dem emotionalen Rückhalt, den das mikrosoziale Umfeld (Ehe-/Lebenspartner, Familie, Freunde) eines Unternehmers bieten kann, stellt dieses Umfeld eine Möglichkeit dar, um (zusätzlich zu den Eigenmitteln) Finanzierungsquellen zu lukrieren. Dieses Kapital wird als 3F-Kapital (Family, Friends & Foolhardy Investors) bezeichnet, dabei sollte jedoch daran gedacht werden, das rechtliche Verhältnis zu den einzelnen Geldgebern aus dem Kreise der 3F klarzustellen (beispielsweise, ob es sich um eine Schenkung oder um ein zinsloses Darlehen handelt).
5.2.1.1. Eigenfinanzierung von Unternehmungen ohne Börsenzugang
Einzelunternehmen, Personengesellschaften (OG, KG), GmbH sowie GmbH & Co KG und kleinere Aktiengesellschaften haben keinen Börsenzugang. Es stehen den Unternehmen folgende Möglichkeiten der Beteiligungsfinanzierung offen:
S. 62Einzelunternehmen
Einzelunternehmen
Das Eigenkapital wird durch Zufuhr bestimmter Teile aus dem Privatvermögen (= Einlagen) erhöht und durch Entnahmen vermindert. Die Erhöhung des Eigenkapitals durch Nichtentnahme von Gewinnen wird der Innenfinanzierung zugerechnet. Bei dieser beliebten Gesellschaftsform zeigt sich eine deutliche Grenze für die Eigenkapitalaufbringung.
Offene Gesellschaft
Offene Gesellschaft (OG)
Bei der OG erfolgt die Beschaffung des Eigenkapitals in erster Linie durch die Kapitaleinlagen der Gesellschafter.
Kommanditgesellschaft (KG)
Kommanditgesellschaft
Wie bei der OG erfolgt die Beschaffung des Eigenkapitals überwiegend durch die Kapitaleinlagen der Gesellschafter, wobei die unterschiedliche Stellung von Komplementären und Kommanditisten zu berücksichtigen ist (vgl. Kap. 9.).
Stille Gesellschaft
Stille Gesellschaft
Bei der stillen Gesellschaft beteiligt sich ein (stiller) Gesellschafter mit einer in das Vermögen des Unternehmens übergehenden Einlage gegen Anteil am Gewinn. Nach außen tritt der Stille nicht in Erscheinung und ist von der Vertretung zwingend ausgeschlossen. Aus der Sicht der Eigenfinanzierung ist die stille Gesellschaft vom Darlehen und der Kommanditgesellschaft abzugrenzen:
der stille Gesellschafter erhält einen Gewinnanteil, der Darlehensgeber feste Zinsen
der stille Gesellschafter nimmt auch am Verlust teil (kann davon jedoch vertraglich ausgeschlossen werden)
der stille Gesellschafter hat umfangreichere Kontrollrechte als der Darlehensgeber (z.B. Abschrift des Jahresabschlusses, Einsicht in die Bücher etc.)
der Kommanditist partizipiert am Firmenwert, der typische stille Gesellschafter nicht
der Kommanditist haftet unter Umständen unmittelbar, der stille Gesellschafter niemals
Atypische stille Gesellschaft
In der Praxis ist die sog. atypische (unechte) stille Gesellschaft besonders von Bedeutung, welche von der typischen stillen Gesellschaft zu unterscheiden ist. Werden bei der atypischen stillen Gesellschaft sowohl bestimmte Geschäftsführungsbefugnisse und eine Beteiligung an den stillen Reserven und am Firmenwert eingeräumt, beschränkt sich die Beteiligung des echten stillen Gesellschafters lediglich auf seine Einlage und einzelne Informationsrechte. Steuerrechtlich wird der atypische stille Gesellschafter als Mitunternehmer gesehen.
Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Die GmbH ist eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit, deren Gesellschafter mit Einlagen auf das in Anteile zerlegte Stammkapital beteiligt sind, S. 63ohne den Gläubigern der Gesellschaft gegenüber unmittelbar zu haften. Das Stammkapital beträgt mindestens 35.000 € und wird durch Stammeinlagen aufgebracht (für neu gegründete Unternehmen ist eine vorläufig reduzierte Stammeinlage von 10.000 € möglich – vgl. Kap. 9.). Die Abtretung der GmbH-Anteile und/oder die Aufnahme zusätzlicher Gesellschafter in die Gesellschaft sind formgebunden (Notariatsakt). GmbH-Anteile sind wenig fungibel, da kein Markt (z.B. Börse) für den Handel mit GmbH-Anteilen existiert.
5.2.1.2. Eigenfinanzierung von Unternehmen mit Zugang zur Börse
Fungibilität
Ein wesentlicher Nachteil der oben aufgezählten Rechtsformen liegt im fehlenden Zugang zur Börse und damit einer sehr eingeschränkten Fungibilität der Anteile. Diese Fungibilität wird durch einen zur Verfügung stehenden (Kapital)Markt erhöht, auf dem die Anteile leicht ge- bzw. verkauft werden können. Dieser Vorteil ist jedoch nur bei der Rechtsform der AG gegeben.
Aktiengesellschaft (AG)
Aktiengesellschaft
Die AG ist eine Gesellschaft mit eigener Rechtspersönlichkeit, deren Gesellschafter mit Einlagen auf das in Aktien zerlegte Grundkapital beteiligt sind, ohne persönlich für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft zu haften. Bei der AG wird das Grundkapital in Aktien zerlegt, wobei der Mindestnennbetrag des Grundkapitals 70.000 € beträgt. Durch die Aufteilung des Kapitals in Aktien ist eine Beteiligung auch mit geringem Kapital möglich. Eine Beteiligung mehrerer (i.d.R. einer großen Anzahl) Gesellschafter ist grundsätzlich möglich. Für eine gewisse Sicherheit auf Seiten der Aktionäre sorgen detaillierte rechtliche Bestimmungen im Aktiengesetz (AktG).
5.2.2. Fremdfinanzierung
Kreditfinanzierung
Unter Fremdfinanzierung versteht man die Zuführung finanzieller Mittel von außen, etwa in Form von Krediten. Die Kreditfinanzierung ist, wie die Beteiligungsfinanzierung, eine Form der Außenfinanzierung, da Kapital von außen durch externe Kapitalgeber in die Unternehmung gelangt. Sie weist folgende Merkmale auf:
Der Kreditgeber erwirbt keine Miteigentümerstellung, sondern Gläubigerstellung.
Der Kreditgeber erhält daher im Regelfall auch kein Mitspracherecht bei der Geschäftsführung (Ausnahme: Einflussnahmemöglichkeiten von Großgläubigern).
Der Kreditgeber wird nicht an der Substanz des Unternehmens (Vermögenszuwachs und stille Reserven) beteiligt, sondern hat Anspruch auf Rückzahlung der Kreditsumme in nomineller Höhe.
S. 64Das Entgelt für die Kapitalüberlassung besteht in einer vereinbarten Verzinsung, die sich meist durch Aufschlag auf einen Marktzinssatz (beispielsweise EURIBOR – „EURO INTERBANK OFFERED RATE“) errechnet. Zinszahlungen sind auch dann zu leisten, wenn das Unternehmen Verluste erleidet. Das Verlustrisiko trägt das Eigenkapital. Gläubiger erleiden nur dann Verluste, wenn beim Zusammenbruch des Unternehmens die noch vorhandenen Vermögenswerte und Sicherheiten zu einer Befriedigung ihrer Ansprüche nicht mehr ausreichen.
Die für Kredite zu leistenden Zins- und Tilgungszahlungen stellen für das Unternehmen betrags- und zeitpunktmäßig fixe Zahlungsverpflichtungen und belasten damit die Liquidität.
Kreditsicherheiten
Eine Voraussetzung für die Kreditvergabe aus Bankensicht ist die Kreditabsicherung mittels entsprechender Kreditsicherheiten. Unternehmensgründer haben deshalb rechtzeitig zu überlegen, welche Sicherheiten der Bank zur Absicherung eines Kredites geboten werden können, um Kreditverhandlungen zu erleichtern. Zu diesen Krediten gehört neben den Krediten zur Finanzierung der Investitionen auch der eingeräumte Kontokorrentkredit zur Finanzierung des Betriebsmittelbedarfes. Kreditsicherheiten können grundsätzlich in Form von Personensicherheiten (Bürgschaften, Garantien, …) und Realsicherheiten, das sind dingliche Rechte (Eigentumsvorbehalte, Abtretung von Rechten und Grundpfandrechten wie z.B. eine Hypothek) auftreten.
Covenants
Zunehmend an Bedeutung gewinnen in Europa die sogenannten Covenants. Darunter werden vertragliche Vereinbarungen zwischen Kreditnehmer und Kreditgeber verstanden. Diese enthalten Klauseln oder Nebenpflichten für den Kreditnehmer, bestimmte Handlungen während der Kreditlaufzeit durchzuführen (positive Covenants; z.B. die Einhaltung von bestimmten Eigenkapitalkennzahlen), oder zu unterlassen (negative Covenants; z.B. die Aufnahme neuer Kreditverbindlichkeiten).
5.2.2.1. Kreditwürdigkeitsprüfungen
Auswirkungen von Basel II
Kreditinstitute sind verpflichtet, professionelle Kreditwürdigkeitsprüfungen vor der Kreditvergabe durchzuführen, denn aufgrund von Basel II gilt das Prinzip: Je höher das ökonomische Risiko, desto mehr Eigenkapital muss ein Kreditinstitut halten, um etwaige aus diesem Risiko entstehende negative Ereignisse ausgleichen zu können. Dabei ist die objektive Einstufung des Schuldnerrisikos durch die Bank selbst oder durch unabhängige Dritte im Hinblick auf die Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit des Kreditnehmers von entscheidender Bedeutung. Diese Risikobemessung wird als Rating bezeichnet.
S. 65
Rating
Beim Unternehmensrating wird aufgrund quantitativer (Hard Facts) und qualitativer Kriterien (Soft Facts) eine Einschätzung der Situation eines Unternehmens vorgenommen. Hauptsächlich werden die Bereiche der Bilanzbonität, des Unternehmensprofils und der Liquidität analysiert.
Bilanzbonität
Bei der Beurteilung der Bilanzbonität werden die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens analysiert. Die sich ergebenden Kennziffern werden in ein Notensystem eingeordnet, gewichtet und anschließend zur Gesamtnote Bilanzbonität verdichtet. Die Kriterien der Bilanzbonität umfassen folgende Bereiche:
Wirtschaftliches Eigenkapital (je höher das EK, desto besser ist das Unternehmen gegen Krisen gewappnet)
Cashflow (zeigt die Ertragskraft der betrieblichen Kerntätigkeit und gibt Auskunft, inwieweit diese Mittel für Investitionen und/oder Fremdmitteltilgungen zur Verfügung stehen)
Umsatzrendite (repräsentiert den wirtschaftlichen Erfolg vor steuerlichen Einflüssen)
Zinsdeckung (Fähigkeit eines Unternehmens, aus dem operativen Geschäftsergebnis den Zinsaufwand für Verbindlichkeiten erwirtschaften zu können)
Vermögensrentabilität (ROI) (gibt Auskunft, wie sich ein bestimmtes im Unternehmen eingesetztes Kapital verzinst)
Wirtschaftliche Schuldentilgungsdauer (gibt an, wie viele Jahre das Unternehmen unter Zugrundelegung der derzeitigen Ertragslage brauchen würde, um mit den aus seiner gewöhnlichen Geschäftstätigkeit erwirtschafteten Mitteln seine Schulden zu tilgen)
Unternehmensprofil
Bei den Kriterien des Unternehmensprofils werden einzelne Soft Facts mit einem Punktesystem bewertet. Die Summe der Punktezahl wird in ein Notensystem übergeleitet, sodass sich wiederum eine Gesamtnote für den Bereich Unternehmensprofil ergibt. Besondere Beachtung finden dabei die Bereiche Management (Strategie, Organisation, Führung), Markt und Produkt (Wettbewerb, Produkt, Dienstleistung) sowie das unternehmensinterne Rechnungswesen (Qualität, Verfügbarkeit und Aktualität der Daten).
Kontoverhalten
Bei der Beurteilung des Kontoverhaltens spiegelt sich die Kunde-Bank-Beziehung wider und es werden etwa Überziehungen und Rahmenausnutzung bzw. Umsätze und deren Entwicklung betrachtet.
Frühwarnindikatoren sind etwa Ertrags- und Umsatzeinbußen, Zunahme der Fremdverschuldung, Veränderung beim Zahlungs- und Überziehungsverhalten usw. Durch die Beurteilung der Kriterien dieser drei Bereiche wird, unter Berücksichtigung des relevanten Marktes und des Kundensegments, die Einzelbonität ermittelt. Jedes Unternehmen wird einer Ratingklasse mit entsprechender einjähriger Ausfallswahrscheinlichkeit zugeordnet. In der Praxis zeigt sich vor S. 66allem im KMU-Bereich eine stärkere Gewichtung der Hard Facts (zwischen 50 und 70 %) als der Soft Facts.
5.2.2.2. Langfristige Fremdfinanzierung
Eine wesentliche langfristige Finanzierungsform für neu gegründete Unternehmen ist das Darlehen, vor allem, um Investitionen zu finanzieren.
Darlehen
Darlehen
Unter Darlehen versteht man langfristige Bankkredite (i.d.R. Laufzeit länger als fünf Jahre), um vor allem Investitionen zu realisieren. Darlehen werden zu den wichtigsten Finanzierungsarten für kleinere und mittlere Unternehmungen, die keinen Zugang zum Kapitalmarkt haben, gezählt. In der Praxis wird die Vergabe eines Darlehens oft auch als Kredit bezeichnet.
Darlehen bestehen in der Regel in Geld, es können jedoch auch andere vertretbare Sachen Darlehensgegenstand sein. Eine Darlehenssumme wird immer verzinst zurückbezahlt. Bei einem Darlehen werden Nennbetrag, Nominalzins, Verzinsung, Laufzeit, Tilgungsmodalität, tilgungsfreie Jahre und Tilgungsrate von Anfang an fix vereinbart. Damit bekommt der Darlehensnehmer einen mehr oder weniger fixen Zahlungsplan (Tilgungsplan) vorgelegt. Die Rückzahlung des Darlehens kann durch Bürgschaften oder Pfandrechte besichert werden.
5.2.2.3. Kurz- und mittelfristige Fremdfinanzierung
Lieferantenkredit
Lieferantenkredit
Ein Lieferantenkredit kommt zustande, wenn ein Zahlungsziel eingeräumt wird; wenn also der Zeitpunkt der Übergabe der Ware und der Zahlungszeitpunkt auseinanderfallen.
Kundenanzahlung
Kundenanzahlung
Kundenanzahlungen dienen der Anschaffung der für die Herstellung notwendigen Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, zur rechtzeitigen Ausweitung der Produktionskapazität, zur Auftragssicherung sowie zur Abdeckung des mit der Herstellung und Verwendung verbundenen Risikos. Die Anzahlungen werden entweder vor Beginn des Produktionsprozesses oder nach teilweiser Fertigstellung gewährt.
Kontokorrentkredit
Kontokorrentkredit
Zwischen Unternehmen und deren Kreditinstituten (Hausbank) wird am Geschäftskonto ein bestimmter Höchstbetrag (Kreditrahmen) eingeräumt, innerhalb dessen laufend disponiert werden kann. Wenn das (positive) Bankguthaben zur Regulierung von Verbindlichkeiten nicht ausreicht, so entsteht ein Kreditgeschäft. Durch den Kontokorrentkredit hat die Unternehmung eine gewisse finanzielle Flexibilität im Rahmen ihrer Überziehungsmöglichkeiten. Die UnterS. 67nehmung hat dafür Sollzinsen für den in Anspruch genommenen Kredit sowie Provisionen und Gebühren zu bezahlen.
Neben den genannten Finanzierungsformen existieren noch weitere kurz- und mittelfristige Finanzierungsformen, wie etwa der Wechselkredit, der Lombardkredit, der Einmalbarkredit oder die Barvorlage, auf die im Rahmen dieses Buchs nicht näher eingegangen wird. Eine praktische Bedeutung weisen für junge Unternehmen auch Kreditsubstitute wie Leasing oder Factoring (Forderungsabtretung) auf. Beim Leasing wird durch laufende Zahlungen die Nutzung von Gegenständen gewährt. Je nach Ausgestaltung kann z.B. zwischen Operate Leasing und Finance Leasing unterschieden werden.
5.3. Beteiligungskapital
Bei der Außenfinanzierung wird dem Unternehmen von außerhalb Kapital zugeführt, etwa durch Kreditgewährungen (Fremdkapital/Kreditfinanzierung) oder Eigenkapitaleinlagen (Beteiligungen). Im Folgenden wird auf die Beteiligungen eingegangen.
Beteiligungskapital
Unter Beteiligungskapital werden Eigenkapital oder eigenkapitalähnliche Mittel verstanden, die in ein Unternehmen von externen Personen/Institutionen eingebracht werden. Externe Kapitalgeber stützen ihre Beteiligungsentscheidung dabei vor allem auf das Ertragspotenzial des Kerngeschäfts des Unternehmens und bewerten dieses meist durch die Diskontierung zukünftiger operativer Überschüsse auf den Gegenwartszeitpunkt (Discounted-Cashflow-Methode).
5.3.1. Private Equity
Private Equity
Der Begriff Private Equity steht für Eigenkapital („equity“), das Unternehmen außerhalb der Börse („private“) zur Verfügung gestellt wird. Private Equity ist an sich der Oberbegriff von Risikokapital. Damit verbunden ist implizit ein aktiver Investmentstil, der stark auf das Nutzen von Transformationsprozessen (z.B. neue Technologien, neue Märkte) und Maßnahmen zur Wertsteigerung der gehaltenen Unternehmensanteile fokussiert, indem auf die strategische Geschäftsentwicklung aktiv Einfluss genommen wird. Folgende Merkmale sind kennzeichnend für Private-Equity-Finanzierungen:
Bereitstellung von Beteiligungskapital: Bei Private Equity handelt es sich um eine Anlageform, bei der der Eigenkapitalgeber Beteiligungstitel wie etwa GmbH-Anteile erhält.
Unterstützung und Beratung: Private-Equity-Investoren fördern den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens gezielt durch Managementleistung (z.B. durch Beratung in wichtigen betriebswirtschaftlichen, strategischen und finanztechnischen Fragen) sowie durch den Zugang zu ihren Netzwerken.
S. 68Befristeter Zeithorizont: Von den Private-Equity-Investoren werden keine auf Dauer angelegten Beteiligungen angestrebt. Die Desinvestition ist in der Regel nach drei bis acht Jahren vorgesehen. In der Finanzierungspraxis investieren Private-Equity-Fonds typischerweise ab der dritten Finanzierungsrunde (Expansionsphase) in Wachstumsunternehmen.
Bezogen auf den Organisations- und Institutionalisierungsgrad werden im Bereich Private Equity verschiedene Marktsegmente unterschieden:
Informeller Private-Equity-Markt: Der Markt für informelles Risikokapital ist geprägt durch das Direktengagement von Privatpersonen, die nicht aus dem Familienkreis der Unternehmerperson stammen. Auf dem informellen Private-Equity-Markt sind vor allem Business Angels tätig, die sich an der Finanzierung von Unternehmen, die sich in der Frühphase befinden, beteiligen. Dem informellen Private-Equity-Markt ist darüber hinaus Corporate Venture Capital zuzurechnen. Dabei handelt es sich um Early-Stage-Beteiligungen von Industrieunternehmen, die unter konzerneigener Verwaltung betrieben werden.
Institutioneller bzw. formeller Private-Equity-Markt: Der Markt für formelles Risikokapital ist transparenter als der Markt für informelles Risikokapital und dadurch gekennzeichnet, dass Intermediäre, die sogenannten Beteiligungsgesellschaften, für beide Seiten als Vertragspartner agieren. Beim Markt für formelles Risikokapital wird das Kapital von Finanzintermediären oder von etablierten Unternehmen mit strategischen Interessen bereitgestellt. Wesentliches Kriterium für die Zugehörigkeit zum formellen Beteiligungskapitalmarkt ist die Existenz eines Fonds (fondsorientierter Ansatz). Die Kapitalbeteiligungsgesellschaften refinanzieren sich über ihre Eigner oder auf dem allgemeinen Kapitalmarkt. Zwischen kapitalsuchenden Unternehmen und Kapitalgebern bestehen keine eigenständigen (direkten) Vertragsbeziehungen.
AVCO
Aufgabe der AVCO (Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation) ist es, die Bedeutung von Private Equity für Investoren und als Finanzierungsinstrument für entwicklungsstarke KMUs im vorbörslichen Bereich zu verdeutlichen und den eigenständigen und festen Platz von Private Equity im österreichischen Kapitalmarktumfeld nach außen zu dokumentieren und zu vertreten (Awarenessbildung). Die AVCO umfasst Mitglieder wie Private Equity- und Venture Capital-Fonds, Service Provider, Banken und Investoren bzw. Family Offices.
5.3.2. Business Angels
Business Angels
Business Angels investieren in Beteiligungsunternehmen Eigenkapital zeitlich begrenzt in eine Minderheitsbeteiligung, das auch als smart money bezeichnet wird. Der Value Added von Business Angels besteht im aktiven Engagement S. 69(von der Beratung bis zur aktiven Mitarbeit) verbunden mit finanziellem Engagement im Unternehmen. Typischerweise sind Business Angels aktive oder ehemalige Unternehmer oder (ehemalige) Manager in Großunternehmen mit umfangreicher Branchenerfahrung und -netzwerk(en) sowie einem erheblichen Privatvermögen. Der durchschnittlich investierte Betrag pro Business Angel liegt zwischen 80.000 € und 250.000 €. Als wichtigstes Kriterium für eine positive Beteiligungsentscheidung dient das Managementteam mit seinem spezifischen Team-Kompetenzportfolio.
Business Angel Network
Um Kontakt zwischen potenziellen Investoren und eigenkapitalsuchenden Beteiligungsunternehmen herstellen zu können, wurden sogenannte Business Angel Networks (BAN) gegründet. BANs sind regionale Zusammenschlüsse, die auf Basis der jeweiligen Investmentkriterien Unternehmen an interessierte Investoren vermitteln und darüber hinaus beiden Parteien zusätzliche Services anbieten, wie z.B. Organisation von Veranstaltungen zur Kontaktaufnahme zwischen Unternehmen und Investoren. Die Innovationsagentur hat 1997 im Auftrag des BMWA mit dem Aufbau von i2 – dem ersten Business-Angel-Netzwerk Österreichs – begonnen. Damit war Österreich eines der führenden europäischen Länder, das Business-Angel-Netzwerke als neues Instrument zur Mobilisierung von Risikokapital privater Investoren eingesetzt hat. Bei i2 liegt die durchschnittliche Beteiligungshöhe bei rund 150.000 €. Vorrangig vertretene Branchen sind Internet und Mobile (26 %), Konsum, Innovative Services (18 %) oder Medizintechnik bzw. Lifescience (6 %).
In Tab. 5.1. werden die Vor- und Nachteile von Business-Angel-Investments zusammenfassend dargestellt:
Tabelle in neuem Fenster öffnen
Vorteile | Nachteile |
|
|
S. 705.3.3. Venture Capital
Venture Capital (VC)
Als Venture Capital (VC, Wagniskapital) bezeichnet man i.d.R. jenes Kapital, das nicht emissionsfähigen, in innovativen Branchen tätigen, zumeist kleinen und mittleren Unternehmen im Hinblick auf deren zukünftiges Wachstums- und Gewinnpotenzial unter zeitlich begrenzter, aber langfristiger Beteiligung zur Verfügung gestellt wird. Die Risikokapitalgeber stellen dem zu finanzierenden Unternehmen dabei voll am Unternehmensrisiko partizipierendes Eigenkapital zur Verfügung, in der Regel in Form einer Minderheitsbeteiligung. Der Prozess bis zum Zustandekommen einer Beteiligung beinhaltet Phasen von der Beteiligungsakquisition über die Beteiligungsauswahl (Screening, Due Diligence) bis zu den Beteiligungsverhandlungen. Nach Erhalt des Venture Capitals werden die Unternehmen in das Portfolio der Venture-Capital-Gesellschaften aufgenommen und deshalb als Portfoliounternehmen bezeichnet.
VC-Anbieter
Als Finanzierungsanbieter existieren im Bereich des VC zwei wesentliche Gruppen von Investoren. Dies sind einerseits unabhängige oder von Banken getragene Finanzierungsgesellschaften, die erwerbswirtschaftlich agieren. Bei Corporate-Venture-Gesellschaften gibt es dagegen eine breite Palette von Kooperationsmotiven. Insbesondere soll der Muttergesellschaft ein Wettbewerbsvorteil aufgrund der technologischen Expertise des Jungunternehmens verschafft werden. Wesentlich für die Investitionsentscheidung beider VC-Organisationstypen sind jedoch die prognostizierten Wachstums- und Ertragschancen des Unternehmens (Chancenkapital), was eine Erklärung für die vorwiegende Investition in technologieorientierte Unternehmen ist.
5.3.3.1. Corporate Venture Capital
Corporate Venture Capital
Mit dem Begriff „Corporate Venture Capital“ bzw. „Corporate Venturing“ bezeichnet man die Finanzierung von Gründungsunternehmen durch Großunternehmen bzw. durch Tochtergesellschaften von Großunternehmen, die für den Mutterkonzern strategische Investments tätigen – meist in Anlehnung an dessen Kerngeschäft. Im Gegensatz zu anderen VC-Gesellschaften zielen sie sowohl auf die Verzinsung der eingesetzten Mittel als auch auf den Mehrwert, der sich aus Synergien zwischen dem Mutterkonzern und dem finanzierten Partnerunternehmen generieren lässt. Organisatorisch kann Corporate Venture Capital verschiedene Formen annehmen. Die direkteste Form sind Eigenkapitalanteile an einem Gründungsunternehmen, die das Großunternehmen selber hält. Eine sehr indirekte Form des Corporate Venturing sind Investitionen des Großunternehmens in Venture-Capital-Fonds. Zwischen diesen beiden Extremen liegt das Corporate-Venture-Capital im engeren Sinne, d.h. die Schaffung einer rechtlich selbstständigen Corporate-Venture-Capital-Gesellschaft (CVCG), die mehrheitlich oder ganz dem Großunternehmen gehört und ihrerseits Beteiligungen an Gründungsunternehmen eingeht.
S. 715.3.3.2. Venture-Capital-Fonds
Aus organisatorischer Sicht sind die wesentlichen Akteure im Rahmen eines VC-Fonds die Investoren, das Fondsmanagement sowie die Fondsinitiatoren. Neben Kapital werden dem Beteiligungsunternehmen weitere Leistungen, wie etwa technologisches Know-how, Branchenkenntnisse, Kontakte u.Ä. geboten.
Fondsinitiatoren
Die Fondsinitiatoren sind natürliche oder juristische Personen, die selbst in den Fonds investiert haben und gleich wie Investoren im Ausmaß ihrer Investments Fondsanteile halten. Aufgrund ihrer Branchenerfahrung, ihrer Reputation und vor allem ihres besonderen Einsatzes leisten sie aber einen überproportionalen Beitrag für das Zustandekommen sowie für den Erfolg eines Fonds. Ähnlich wie das Fondsmanagement erhalten sie dafür oft auch eine monetäre Vergütung.
Investoren
Die Investoren bringen den Hauptteil der Mittel in den Fonds ein, beteiligen sich jedoch nicht aktiv am Management. Als Gegenleistung erhalten sie laufende Informationen über die Entwicklung ihrer Investments und ab dem Zeitpunkt der ersten Beteiligungsveräußerungen finanzielle Rückflüsse. Die Investoren erhalten in Abhängigkeit von der tatsächlichen wirtschaftlichen Entwicklung des Fonds typischerweise folgende Rückflüsse:
Rückführung der ursprünglich in den Fonds investierten Mittel
Verzinsung für die ursprünglichen Investitionen
Anteil an den Fondserlösen
Fondsmanagement
Das Fondsmanagement ist für die Verwaltung der Fonds, die Abwicklung des Beteiligungsgeschäfts und die Betreuung der Investoren verantwortlich. Es wird entweder direkt vom Fonds beschäftigt oder ist in einer eigenen davon getrennten Managementgesellschaft organisiert.
S. 72

Abb. 5.1.: Mechanismen eines Venture-Capital-Fonds
Exit
Venture-Capital-Fonds verfolgen ausschließlich das Ziel der Renditemaximierung und unterscheiden sich wesentlich von informellen Kapitalgebern. Dabei ist das primäre Ziel der Risikokapitalgeber der Exit, denn der Kapitalgeber partizipiert an der Substanzvermehrung des Unternehmens, die sich in einer gewinnbringenden Veräußerung am Ende der Beteiligung manifestiert.
Die Vor- und Nachteile von VC-Fonds aus KMU- und Investorensicht verdeutlicht Tab. 5.2.:
Tabelle in neuem Fenster öffnen
Vorteile | Nachteile |
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S. 73
Crowdfunding
Diese neue Finanzierungsalternative aus dem angelsächsischen Raum stellt ein Risikokapitalinstrument der Frühphasenförderung dar. Der Begriff setzt sich aus „crowd“ (Masse, Menge) und „funding“ (Finanzierung) zusammen. Dabei tritt das kapitalsuchende Unternehmen (Fundraiser) über Internet-Plattformen in Kontakt mit Kleininvestoren (Crowdinvestoren). Das Finanzvolumen liegt im Durchschnitt bei 750 € und es werden vorwiegend Innovationsprojekte in KMU und Umsetzungen von Geschäftsideen gefördert. Dabei wird innerhalb eines Zeitrahmens versucht die Finanzierungsumme zu erreichen. Gelingt dies, wird das Projekt durchgeführt, wenn nicht, kommt die monetäre Leistung nicht zustande.
Formen von Crowdfunding
Es lassen sich unterschiedliche Formen von Crowdfunding unterscheiden:
Donation-based Crowdfunding: Dieses Modell umfasst Projekte im Kreativ, Kunst- und Kulturbereich, die in Form von „Spenden“ gefördert werden; dabei erfolgt keine Gegenleistung.
Reward-based Crowdfunding: Crowdinvestoren erhalten vom jungen Unternehmen oder dem KMU, in das investiert wird, eine materielle oder ideelle Anerkennung.
Lending-based Crowdfunding: In diesem Modell finden Geldflüsse in Form von privaten Mikrokrediten (Crowdlending) statt, die inklusive Verzinsung wieder zurückbezahlt werden.
Equity-based Crowdfunding: In dieser Form beteiligen sich die Crowdinvestoren am Unternehmen mit Mikrobeträgen (ab ca. 100 €), unterstützen so innovative Projekte und KMU und erhalten dafür eine Erfolgsbeteiligung.
5.3.4. Mezzaninkapital
Mezzaninkapital
Der Begriff Mezzanine stammt aus der italienischen Architektur und bezeichnet das Zwischengeschoss zwischen zwei Stockwerken. Als Synonym steht es in der Unternehmensfinanzierung für einen Zwischenbereich: Es füllt die Lücke zwischen Eigen- und Fremdkapital in der Kapitalstruktur. Aus rechtlicher Sicht gilt Mezzaninkapital als steuerlich abzugsfähiges Fremdkapital. Charakteristisch sind dessen Nachrangigkeit gegenüber anderen Gläubigern im Insolvenzfall, eine zeitliche Befristung und meist reguläre Zinszahlungen. Die Freiheiten in der Gestaltungsform (z.B. Gewinnbeteiligung oder diverse Bezugsrechte) verleihen dem Mezzaninkapital jedoch eigenkapitalähnlichen Charakter. In der Praxis wird Mezzaninkapital als Überbrückung finanzieller Situationen angewendet, wie in Wachstumsphasen, in denen kaum bankübliche Sicherheiten existieren bzw. Eigenkapitalfinanzierungen nicht möglich sind (MBO-Transaktionen, Bridge-Finanzierungen, Gesellschafterwechsel, Akquisitionsfinanzierungen, Unternehmensnachfolge oder Projektfinanzierungen). Neben dem Nachrangdarlehen können partiarische Darlehen (unbesicherte Darlehen mit erfolgsabhängiger Verzinsung), stille Beteiligungen, Verkäuferdarlehen oder Genussrechte zum Mezzaninkapital gezählt werden und sind je nach Ausgestaltung eher fremdkapitalähnlich oder eigenkapitalähnlich.
S. 74Zu den potenziellen Mezzaninkapital-Gebern zählen Beteiligungsgesellschaften, VC-Gesellschaften, Banken, Versicherungsunternehmen, private Investoren und spezielle Mezzanin-Fonds. Der Mezzanin-Investor gibt sein Kapital üblicherweise in Form nachrangiger Darlehen mit einem Equity-Kicker. Dies bedeutet, dass einerseits eine laufende Verzinsung und Tilgung und andererseits eine Abgeltung der Eigenkapitalprämie im Erfolgsfall gewährleistet ist.
Investitionskriterien sind vor allem ein Management mit ausgeprägten Kompetenzen, hohe Profitabilität und Stabilität, eine hohe finanzielle Beteiligung des Managements sowie eine zuverlässige und transparente Zusammenarbeit zwischen Kapitalgeber und Kapitalnehmer.
5.4. Innenfinanzierung
Innenfinanzierung
Die Innenfinanzierung steht in enger Verbindung mit der operativen Geschäftstätigkeit und ermöglicht die Kapitalbeschaffung innerhalb des Unternehmens. Manche Bereiche ergeben sich im Zuge des Umsatzprozesses (Finanzierung aus Abschreibungen oder Rückstellungen) und andere erfordern aktives Handeln (Selbstfinanzierung). Weiters zählt die Vermögensumschichtung, bei der Vermögen in frei verfügbare Zahlungsmittel umgewandelt wird, dazu. Diese sog. Desinvestitionen können durch sonstige Geldfreisetzungen (Rationalisierung, Sale-and-Lease-Back-Transaktionen etc.) erfolgen.
Cashflow-Finanzierung
Cashflow-Finanzierung
Soweit die Aufwendungen unbar (= nicht auszahlungswirksam) sind bzw. Teile der Gewinne einbehalten (= thesauriert) werden, stehen die liquiden Umsatzerlöse für Finanzierungs- bzw. Investitionszwecke zur Verfügung. Das bedeutet, der Cashflow dient als Maßstab für die Innenfinanzierungskraft. Je höher der Cashflow, desto mehr ist das Unternehmen in der Lage, liquide Mittel aus eigener Kraft zu generieren.
Finanzierung aus einbehaltenen Gewinnen (Selbstfinanzierung)
Offene Selbstfinanzierung
Die offene Selbstfinanzierung erfolgt durch die Zurückbehaltung von baren Gewinnkomponenten im Unternehmen. Die Höhe ergibt sich durch die Differenz zwischen dem Gewinn nach Steuern und der Ausschüttung an die Gesellschafter und ist im Jahresabschluss als Gewinnrücklage ersichtlich.
Stille Selbstfinanzierung
Die stille Selbstfinanzierung erfolgt durch die Bildung von stillen Reserven im Rahmen der Freiräume des Bilanzrechts.
Finanzierung aus Abschreibungen
Finanzierung aus Abschreibung
Das Unternehmen kalkuliert Abschreibungen von Anlagegütern in die Angebotspreise seiner Leistungen ein. Sofern diesen Abschreibungen (unbarer Aufwand) in gleicher Höhe bare Umsatzerlöse gegenüberstehen, stehen diese baren Mittel während der Nutzungsdauer der Anlagegüter für Finanzierungszwecke zur Verfügung.
S. 75Finanzierung aus Rückstellungen
Finanzierung aus Rückstellung
Die Bildung einer Rückstellung stellt, wie die Abschreibung, einen unbaren Aufwand dar und wirkt gewinnmindernd, ohne dafür liquide Mittel einsetzen zu müssen. Die Auszahlungen erfolgen erst in späteren Perioden. Sofern dem Unternehmen über den Umsatzprozess die Erlöse in barer Form zufließen, stehen während dieses Zeitraumes die Mittel aus der Rückstellung für Finanzierungszwecke zur Verfügung.
Finanzierung durch Vermögensumschichtung
Finanzierung aus Vermögensumschichtung
Das Unternehmen kann finanzielle Mittel durch die Veräußerung von nicht betriebsnotwendigen oder nicht mehr benötigten Vermögensteilen (Grundstücke, Wertpapiere etc.) lukrieren (Desinvestition).
5.5. Lebenszyklusorientierte Finanzierung
Lebenszyklusorientierte Finanzierung
Grundsätzlich lässt sich die Gründung eines Unternehmens aus zwei Perspektiven betrachten: Einerseits als zeitpunktbezogenes Ereignis (z.B. Errichtung einer Gesellschaft als Rechtsform), andererseits als zeitraumbezogenes Ereignis. Dieser Zeitraum wird in der betriebswirtschaftlichen Literatur untergliedert in verschiedene idealtypische Phasen der Unternehmensgründung, die am Lebenszykluskonzept des Unternehmens anknüpfen. Korrespondierend zu diesen Phasen lassen sich einerseits Investitionsanlässe sowie andererseits Kategorien von Kapitalgebern bzw. Investorentypen identifizieren.
Hockey-Stick-Effekt
Die nachfolgende Abbildung verdeutlicht die verschiedenen Phasen der Unternehmensentwicklung. In Anlehnung an die Form der Gewinnkurve wird auch vom „Hockey-Stick-Effekt“ gesprochen, da die Form der Entwicklung aus der anfänglichen Phase des Verlusts (Schlägerkopf) in die dynamische Wachstumsphase (Schlägerschaft) verläuft (Nathusius 2001).

Abb. 5.2.: Unternehmensentwicklungsphasen [Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Nathusius 2001]
S. 76Seed-Phase
Seed-Phase
In der Seed-Phase wird die Unternehmensidee entwickelt, deren Markttauglichkeit, die technische und wirtschaftliche Realisierbarkeit überprüft sowie der Businessplan erstellt. Typischerweise wird in dieser Phase bei technologieorientierten Gründungen ein Prototyp entwickelt. Dabei entstehen in der Seed-Phase sehr hohe Forschungs- und Entwicklungskosten, denen jedoch noch keine Umsätze gegenüberstehen. Daher ist das Risiko aufgrund des noch nicht erfolgten Markteintrittes sehr hoch. Die Dauer dieser Phase variiert nach Branche zwischen mehreren Wochen etwa bei Internet-Start-ups bis zu mehreren Jahren bei Unternehmen (z.B. im Nano- oder Biotechnologiebereich).
Die finanziellen Ressourcen kommen bei imitierenden Gründungen typischerweise aus folgenden Quellen: eigene Mittel, Family, Friends and Foolhardy Investors (3F), Förderungen oder Bankkredite. Bei innovativen bzw. technologieorientierten Gründungen und daraus resultierenden gründungsnotwendigen Investitionen und insgesamt höherem Kapitalbedarf kommen als Investoren Business Angels, Seed-Capital-Fonds und Inkubatoren in Frage.
Start-up-Phase
Start-up-Phase
In der Start-up-Phase befindet sich das Unternehmen in Gründung oder wurde vor kurzem gegründet. In dieser Phase wird das Produkt bis zur Marktreife entwickelt und einem Markttest unterzogen. Der Marketingplan wird entwickelt, Personal aufgenommen und erste Vertriebsnetze aufgebaut. Erste Umsätze werden erzielt. Gewinne werden wegen der hohen Forschungs- und Entwicklungskosten sowie hoher Markteinführungskosten (insbesondere bei technologieorientierten Gründungen) noch nicht realisiert. Die Dauer der Start-up-Phase erstreckt sich bis zur tatsächlichen Markteinführung des Produktes. Das erforderliche Kapital wird vor allem bezogen von Business Angels, Venture Capitalists, Inkubatoren und teilweise noch von Family, Friends and Foolhardy Investors (3F), bezogen. Bei imitativen Gründungen spielt in dieser Phase typischerweise die Hausbank eine wichtige Rolle (Hausbankenprinzip). Die Seed-, Start-up- und First-Stage-Phase werden gemeinsam auch als Early Stage bezeichnet.
Expansionsphase
Expansionsphase
Die Expansionsphase wird in der Praxis in die Second-, Third- und Fourth-Stage-Phase eingeteilt (siehe dazu im Detail die in Abschnitt 5.7. angegebene Fachliteratur). Das Unternehmen tritt in die Expansionsphase nach erfolgreicher Markteinführung des Produktes ein. Sie erstreckt sich in der Regel vom Ende der Produktentwicklung bis hin zum Pre-IPO (Phase kurz vor dem Börsegang des Unternehmens). Die Expansionsphase ist gekennzeichnet durch die Verbesserung der angebotenen Produkte, der Erweiterung der Produktpalette sowie dem Ausbau der Vertriebskanäle.
S. 77Bridge-Phase
Bridge-Phase
In der Bridge-Phase ist das Unternehmen bereits am Markt etabliert. Die Organisationsstruktur ist aufgebaut und ein funktionierendes Management implementiert. Die Bridge-Phase ist gekennzeichnet durch den Ausbau der Marktführerschaft, der Erschließung neuer Märkte und der Produktdiversifizierung. Der Börsegang wird angestrebt (Bridge-Financing als Überbrückungsfinanzierung). Wesentlich ist, dass in der Bridge-Phase oft über den künftigen Erfolg oder Nicht-Erfolg an der Börse entschieden wird.
IPO
Initial Public Offering
Der Börsegang (IPO) ist ein wichtiges Ziel und gleichzeitig das erfolgreiche Ende der Beteiligung eines Investors (zwischen dem 5. und dem 7. Jahr der Beteiligung). Üblicherweise existieren drei Arten des Exits:
Verkauf der Unternehmensanteile über die Börse (IPO)
Verkauf der Anteile an einen strategischen Investor (Trade Sale) oder
Rückkauf der Anteile durch das Beteiligungsunternehmen (Buy-Back)
5.6. Finanzierungsanlass Unternehmenskauf
Als Teil einer Wachstumsstrategie kann der Fall auftreten, dass man als Unternehmer eine bereits bestehende rechtliche und betriebswirtschaftliche Einheit erwerben möchte (Unternehmenskauf), wobei entweder alle oder zumindest wesentliche Anteile eines Unternehmens erworben werden. Bei einem Asset Deal werden einzelne Vermögensgegenstände des Unternehmens gekauft (z.B. eine Geschäftsstelle). Die gebräuchlichere Variante ist jedoch der Share Deal, bei dem Unternehmensanteile erworben werden, wie beispielsweise Aktien. Sonderformen von Share Deals können Management-Buy-out (MBO) oder Management-Buy-in (MBI) sein.
Kauft ein bisher angestellter Manager bzw. das bisher angestellte Managementteam sein Unternehmen und wird zum Eigentümer, spricht man in Anlehnung an die anglo-amerikanische Begrifflichkeit von einem Management Buy-Out (MBO). Beim MBO übernehmen die angestellten Manager das Unternehmen oder den Unternehmensteil und führen es unter Beendigung des bisherigen Beschäftigungsverhältnisses und Wechsel in die Eigentümerposition weiter. Management wird dabei im institutionellen Sinn verstanden. Die in Frage kommenden Personengruppen sind das Top-Management und die leitenden Angestellten eines Unternehmens bzw. eines Teils von einem Großunternehmen.
Eine andere Möglichkeit ist die Durchführung eines Management Buy-Ins (MBI). Bei diesem stellt eine Gruppe von potenziellen Käufern vorab ein Managementteam zusammen, das dann nach dem Kauf sowohl die Eigentümer- als auch die Geschäftsführungsposition übernimmt. Das neue Management ersetzt dabei ganz oder teilweise die alte Geschäftsführung. Eine Mischform aus MBO S. 78und MBI ist der Buy-In Management Buy-Out (BIMBO). Beim BIMBO übernimmt das bisher angestellte Management zusammen mit externen Managern das Unternehmen. Dabei wird die interne Kenntnis der bisherigen Manager ergänzt durch neue Elemente, die die externen Manager einbringen. Aus den geschilderten Gründungsformen wird deutlich, dass sich aus der jeweiligen Lebenszyklusphase des Unternehmens bestimmte Managementprobleme und daraus resultierende Finanzierungsbedarfe ergeben.
5.7. Weiterführende Literatur
Kompakte Einführung in das Thema Finanzierung: Pernsteiner/Andeßner (2014); Gründungsfinanzierung: Pernsteiner (2000), Nathusius (2001).
Entrepreneurship-Lehrbuch mit Fokus auf Gründungsfinanzierung: Hisrich et al. (2012), insb. Kap. 11. und 12.
Business Angels: Franke/Dömötör (2013).
Leitfaden Bankgespräch: WKO (2013).
5.8. Blick in die Praxis von B. Litzka: Business Angels und alternative Finanzierungsformen
Dr. Bernd Litzka
Handlungsbevollmächtigter, Austria Wirtschaftsservice, erp-fonds, wien
Eine innovative Idee, ein motiviertes Gründerteam und viele gute Vorsätze sind der Beginn eines Start-up-Unternehmens. Noch vor wenigen Jahren war der logische nächste Schritt der zur Hausbank. Ohne wesentliche Schwierigkeiten sollte ein erster Betriebsmittelkredit oder auch ein längerfristiger Kredit für die ersten betriebsnotwendigen Anschaffungen bewilligt und bereitgestellt sein. Doch seit einiger Zeit hat sich für Jungunternehmer mit innovativen Technologien oder neuartigen Geschäftsmodellen die Überzeugung der Hausbank und die Zusage eines Kredites leider als deutlich schwieriger herausgestellt als erwartet.
Je innovativer die Geschäftsidee, desto schwieriger ist es für Banken, eine treffende Risikobewertung zu erstellen. Mittlerweile flächendeckend etablierte Ratingsysteme, welche ursprünglich zur Ermittlung von Ausfallswahrscheinlichkeiten großer Anleiheemittenten oder Aktiengesellschaften konzipiert wurden, sind nun in Verwendung, um kleine Unternehmen und neue Technologien nach ihrer Kreditwürdigkeit einzuschätzen. Bei standardisierten Geschäften einfacher Gewerbebetriebe kann das noch geeignet sein, allzu oft versagen jedoch diese relativ starren und formalisierten Bewertungsmodelle. In der Praxis dient das ErS. 79gebnis eines bankmäßigen Firmenratings weniger einer möglichst realistischen Einschätzung der künftigen Chancen von Innovationen, als vielmehr der Preisgestaltung (Zinsen, Gebühren, Aufschläge) des allfälligen Kredites. In Folge muss die Hausbank eine ausreichende und künftig verwertbare Sicherheit einfordern.
In dieser Situation ist guter Rat gefragt, um auch ohne bankmäßige Sicherheiten die erforderlichen Mittel auftreiben zu können. Schließlich erfordern gerade Innovation und neue Technologien ein rasche Umsetzung, da sich Kundenbedürfnisse und Zielmärkte rasch wandeln und der Konkurrenz nicht untätig bleibt.
Neben kapitalsuchenden Unternehmern haben jedoch auch Privatpersonen mit liquidem Kapitalvermögen derzeit wenige attraktive Veranlagungsmöglichkeiten. Anleihen sowie börsennotierte Aktien sind derzeit schwer einzuschätzen, Edelmetalle und Immobilien notieren auf Höchstkursen, somit ist auch für Privatinvestoren das Marktumfeld für ihre Veranlagung schwierig.
Seit 1997 vermittelt die aws über i2 Business Angels zwischen kapitalsuchenden Unternehmen und risikobereiten Privatinvestoren. Bisher konnten über 100 erfolgreiche Transaktionen (Beteiligungen) mit einer kumulierten Gesamtbeteiligung von über 15 Mio. € vermittelt werden. Seit 2010 stellt die restriktive Kreditvergabe von Banken an innovative Gründer einen wesentlichen Grund dar, weshalb sich Gründer nun verstärkt auf die Suche nach Privatinvestoren begeben. Nebenbei melden sich auch überdurchschnittlich viele Privatinvestoren bei der aws an, um Investments in innovative österreichische Start-up-Unternehmen in Erwägung zu ziehen. Somit ist es kaum verwunderlich, dass 2013 das bisher erfolgreichste Vermittlungsjahr von i2 Business Angels war. Die hohe Bereitschaft von erfahrenen Investoren, die neben ausreichendem Investitionskapital auch über wertvolle Geschäftskontakte und Marktkenntnisse verfügen, ist für Gründer eine gute Chance, gerade jetzt ihre Innovationen gemeinsam mit Business Angels umsetzen zu können. Derzeit sind 220 Mitglieder bei i2 Business Angels, und jedes Jahr werden rd. 60 neue Geschäftsideen für ein Erstrundeninvestment ins Rennen geschickt. Bei einer Vermittlungsquote von rd. 25 % liegt dieses aws Vermittlungsservice im internationalen Spitzenfeld. Seit 2013 werden die Vermittlungsaktivitäten durch den aws Business Angel Fonds ergänzt, und seit 2014 gibt es die Open-Access Plattform equityfinder.at. Über diesen Zugang können alternative Finanzierer, wie beispielsweise Schwarmfinanzierer, Vermittler, Early Stage Fonds und VC Fonds, mit kapitalsuchenden Unternehmerteams direkt in Kontakt treten. Da nun die Business Angel Szene in Österreich endlich wachgeküsst ist, sind auch die zahlreichen facheinschlägigen Initiativen über das Austrian Business Angel Network (ABAN) unter dem Dach der aws zusammengefasst. Das ABAN ist ein Dach-Netzwerk mit derzeit rd. 65 Netzwerkpartnern wie beispielsweise den Gründerservices der WKO, JW, AWO, FFG, Unis, AplusB Zentren, Banken, Berater, Rechtsanwälte, AAIA sowie dem European S. 80Business Angel Network (EBAN), Business Angels Europe (BAE) und European Investment Fund (EIF).
Im Folgenden sind die wesentlichen Eckpunkte angeführt, die für eine erfolgreiche Akquisition eines Privatinvestors (Business Angels) für eine neue Geschäftsidee zu berücksichtigen sind:
Die Gründer müssen bereit sein, einen Fremden in ihr Unternehmen mit einzubeziehen
Es muss geklärt werden, ob und in welchen Bereichen ein Business Angel mitwirken soll.
Wenn operative Mithilfe notwendig ist, sollten klare fachliche Anforderungen an einen Privatinvestor gestellt werden.
Das Geschäftskonzept oder der Business-Plan sollte inhaltlich schlüssig und vollständig formuliert werden sowie alle, dem notwendigen Verständnis dienenden Informationen sollten als Beilage verfügbar sein.
Business-Angel-Kapital kann selten ein Unternehmen ausfinanzieren. Eine Gesamtfinanzierung mit öffentlichen Förderungen, öffentlichen Beteiligungsfonds (aws Gründerfonds) und in Ergänzung mit Banken ist anzustreben.
Alle involvierten und im Start-up relevanten Personen (Gründer, Gesellschafter, Kernmitarbeiter) müssen dem Investor vorgestellt und in den Beteiligungsprozess eingebunden werden.
Wenn die Gründer über keine ausreichende vertragsrechtliche und verhandlungstechnische Kompetenz verfügen, ist Beteiligungs-Coaching empfehlenswert (Berater, Rechtsanwalt, Steuerexperte).
Neben der Beteiligungshöhe, der Beteiligungsform und Anteilen am Unternehmen sollte schon zu Beginn ein für beide Seiten akzeptabler Exit zumindest skizziert und schriftlich vermerkt werden.
Informationspflichten der Gründer als auch Leistungspflichten des Investors müssen möglichst genau und unmissverständlich festgehalten werden.
Bereits mit den ersten Beteiligungsgesprächen ist es empfehlenswert, die aws mit einzubeziehen, da ergänzende Eigenkapitalförderungen, Gründungsförderungen und Technologieförderungen die Entscheidung eines Business Angels positiv beeinflussen können.
S. 815.9. Blick in die Praxis von C. Wurm: Finanzierung als wesentlicher Faktor der unternehmerischen Entwicklung – Vom Bankkredit zum HightechFonds
Mag. Christoph Wurm
Generaldirektor und Vorstandsvorsitzender der Volkskredit-Bank, Linz
Innovationen benötigen Finanzkapital, um umgesetzt werden zu können
Unternehmen benötigen Kapital, um ihr Anlage- und Umlaufvermögen zu finanzieren und um ihre Geschäfte weiter zu entwickeln. Für Unternehmen gilt es, in der jeweiligen Entwicklungsphase die optimale Finanzierungsstruktur zu finden. Für das Geld- und Finanzierungsgeschäft sind die Banken die kompetenten Spezialisten. Die OÖ Regionalbanken sind der verlässliche Partner in der Unternehmensfinanzierung. Starke Banken unterstützen die Entwicklung von starken Unternehmen. Das ist das Rezept, das Oberösterreich zu einer Top-Wirtschaftsregion in Europa macht. Oberösterreich ist ein Land der „Innovatoren“, der Gründer und Exportunternehmen.
Die richtigen Finanzierungskonzepte, die richtigen Finanzierungspartner und eine kluge Finanzierungsstrategie sichern die unternehmerische Unabhängigkeit
Widmen Sie der Auswahl der „richtigen“, das heißt der zu Ihrem Unternehmen passenden Bank entsprechende Aufmerksamkeit. Die Konditionen und der Preis sind ein Aspekt. Viel entscheidender sind die Angebotsbreite und Angebotstiefe der Bank, aber vor allem auch die Kompetenz der Beratung, Betreuung und Abwicklung der gemeinsamen Geschäfte sowie die Partnerschaft und das Vertrauen in die gemeinsame Zusammenarbeit und die gemeinsame Beziehung.
Machen Sie sich mit dem Rating und dem Kreditentscheidungsprozess Ihrer Bank vertraut. Banken finanzieren Unternehmen mit dem Ziel, dass der Kunde „ihre“ Gelder mit einem entsprechenden Preis termingerecht zurückzahlt. Die Beurteilung der Bonität wird mit einem Rating durchgeführt. Das Rating wirkt sich entscheidend auf die Kreditentscheidung und die Finanzierungskosten aus.
Banken beurteilen die Unternehmerpersönlichkeit, das Management, das Unternehmen und aktuelle wirtschaftliche Unterlagen. Aktuelle Bilanzen und Businesspläne sind die Basis für ein Bilanzrating.
Um Fremdkapital in Form von Bankkrediten zu erhalten, ist das Vorhandensein von entsprechendem Eigenkapital Voraussetzung. Zwischen 15 % und 30 % Eigenmittel sind je nach Finanzierungsart und Bonität ein Richtwert. Entscheidend ist aber vor allem, ob auf Basis der Bonitätsbeurteilung eine ausreichende Fähigkeit besteht, aus den „freien“ Cashflows die Rückführung des Kredites zu gewährleisten.
S. 82Banken trachten danach, das Kreditrisiko niedrig zu halten. Daher wird zusätzlich der Höhe und der Qualität der Sicherheiten von Banken ebenfalls hohe Bedeutung beigemessen.
Vor allem bei der Unternehmensgründung und bei Innovationsprojekten können Förderungseinrichtungen wie die Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) oder OÖ Kreditgarantiegesellschaft mbH (KGG) unternehmerische Entwicklungen mit Direktkrediten, Zuschüssen, aber vor allem mit Garantien und Haftungen zu Bankkrediten unterstützen.
Der OÖ HightechFonds fördert die innovative Wirtschaftsentwicklung
Der OÖ HightechFonds ist ein Eigenkapitalfinanzierungsmodell für technologieintensive Klein- und Mittelbetriebe in Oberösterreich. Das klare Ziel ist es, den Wirtschaftsstandard Oberösterreich für hoch technologieorientierte, innovative Unternehmen noch attraktiver zu machen und Entwicklungsmöglichkeiten für die Wirtschaftsmotoren von morgen zu bieten. Innovative junge High-Tech-Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial und einem Standort in Oberösterreich sollen über die Bereitstellung von Eigenkapital und sonstige Formen von Risikokapital in ihrer Entwicklung gefördert werden. Die Zielgruppe junger technologieorientierter Unternehmen wird in den Fokus der regionalen Entwicklung gebracht. Denn die positive Wirtschaftsentwicklung trägt maßgeblich zur Attraktivität der heimischen Regionen bei.
Der OÖ HightechFonds wurde aus Mitteln der EU, des Landes OÖ und der oberösterreichischen Regionalbanken kapitalisiert. Die oberösterreichischen Regionalbanken übernehmen damit ihre verantwortungsvolle Rolle bei der Förderung der oberösterreichischen Wirtschaft
Finanzierung durch den OÖ HightechFonds
Unternehmen mit Schwerpunkt Gründungs- (Seed- und Start-up-Finanzierung) und Expansionsfinanzierung werden dabei in Form von typischen oder atypischen stillen Beteiligungen, Beteiligungen am Grund- bzw. Stamm- sowie Kommanditkapital und nachrangigen Darlehen unterstützt. Der Kapitalumfang pro Unternehmen beträgt zwischen 250.000 € und 1,5 Millionen €. Die Dauer der Beteiligung beträgt bis zu zehn Jahre.
Mit einer Beteiligung durch den OÖ HightechFonds soll gesichert werden, dass sich die Unternehmen auf Basis einer soliden finanziellen Grundlage auf ihre technischen Kompetenzen konzentrieren und so ihr volles Potenzial entwickeln können. Insbesondere jungen Hightech-Potentials soll so die Chance gegeben werden, ihre Ideen in Oberösterreich verwirklichen zu können.
Neben der finanziellen Unterstützung bietet der OÖ HightechFonds in Zusammenarbeit mit dem Hightech Inkubator tech2b gezielte Betreuung an. Gerade in S. 83Wachstumsphasen ist es entscheidend, dass sich neben den Produktentwicklungen auch die betriebswirtschaftlichen Strukturen weiter- und mitentwickeln.
Über konkrete Beteiligungen an Unternehmen wird in einem Fachbeirat („Bewilligungsbeirat“) entschieden, der sich aus erfahrenen Bankmanagern zusammensetzt. Als Mitglied des Bewilligungsbeirates ist es mir wichtig, an Hand des Businessplanes eine Beurteilung der Ertragsmöglichkeiten und der Risiken vorzunehmen sowie unter Berücksichtigung einer Szenariobetrachtung mit einer Bewertung der Wahrscheinlichkeiten die mögliche wirtschaftliche Entwicklung beurteilen zu können.
Ohne Businessplan geht gar nichts!
Transparenz und Verständlichkeit des Businessplanes sind Grundvoraussetzung, um die Kompetenz des Managements, die Neuartigkeit und das Marktpotenzial des Produktes sowie die Finanzplanung verstehen zu können.
Technische Begriffe und Verfahren sind verständlich zu erläutern. Die Nachvollziehbarkeit der wirtschaftlichen Entwicklung und der Finanzierungsüberlegungen sind in Form einer Szenariobetrachtung (Best case, Base case und Downside Case) darzulegen.
Die Herausforderung, die wirtschaftliche Entwicklung in fundierten Zahlen für die Zukunft darzustellen, ist groß. Der Umgang mit Unsicherheiten in der Zukunft ist schwierig. Es ist aber wichtig, nicht mit unrealistischen Zahlen zu arbeiten. Eine realistische, optimistische Planung ist die Basis.
Durch Fragen an das Management werden die offenen Punkte geklärt. Keine Antwort ist auch eine Antwort. Daher ist die offene Kommunikationspolitik die Basis für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Der Prozess für eine Bereitstellung von Kapital im Allgemeinen und die Beteiligung zwischen innovativen Unternehmen und Hightech-Fonds im Speziellen ist intensiv, benötigt ausreichend Zeit, ist aber sehr wertschöpfend.
Die Entwicklung der Businessidee ist eine Sache, die Businessidee marktreif umzusetzen, ist eine andere. Die Finanzierung der Businessidee ist ein wesentlicher Faktor für den Schritt in den Markt. Banken sind die kompetenten Partner für Finanzierungsangelegenheiten.
„Finanz-Quellen“ und weiterführende Informationen
Die oberösterreichischen Regionalbanken: www.bankaustria.at, www.bawagpsk.at, www.hypo-ooe.at, www.oberbank.at, www.raiffeisen-ooe.at, www.sparkasse.at/oberoesterreich, www.volksbank.at, www.vkb-bank.at
Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws), www.awsg.at
KGG – OÖ Kreditgarantiegesellschaft mbH, www.kgg-ubg.at
UBG – OÖ Unternehmensbeteiligungsgesellschaft mbH, www.kgg-ubg.at
OÖ HightechFonds GmbH, www.hightechfonds.at