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OGH 25.03.2014, 10ObS29/14h

OGH 25.03.2014, 10ObS29/14h

Rechtssätze


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Norm
RS0102362
Diese Verfassungsnorm enthält nur eine sogenannte Bestandsgarantie des Obersten Gerichtshofs, sodass Rechtsmittelbeschränkungen solange und in dem Ausmaß verfassungskonform sind, als sie die Funktion des Obersten Gerichtshofs nicht aushöhlen oder ihn ganz ausschalten.
Normen
Charta der Grundrechte der Europäischen Union 32000X1218 Art47
MRK Art6 Abs1
RS0079186
Art 6 Abs 1 MRK gibt keinen Anspruch auf einen mehrinstanzigen Rechtsweg (Ermacora, Handbuch der Grundfreiheiten und der Menschenrechte 234). Verfassungsrechtlich garantiert ist vor allem das Verfahren in Zivilsachen vor einem unabhängigen Gericht (sh dazu Walter, Österreichisches Bundesverfassungsrecht, 784; Adamovich, Handbuch des österreichischen Verfassungsrechts6, 511, 534; Moser, Die Europäische Menschenrechtskonvention und das bürgerliche Recht, 282).
Normen
RS0044057
Weder Art 92 Abs 1 B-VG noch Art 6 MRK sind geeignet, Bedenken an der Verfassungsmäßigkeit der Rechtsmittelbeschränkung des § 528 Abs 1 erster Fall ZPO hervorzurufen. Der OGH sieht sich daher nicht veranlasst, die Aufhebung dieser Gesetzesbestimmung gemäß § 140 Abs 1 B-VG beim VfGH zu beantragen.
Norm
RS0128469
In der in § 248c Abs 2 ASVG enthaltenen Wortfolge „... aufgrund einer Pflichtversicherung ... geleisteten Beiträge zur Pensionsversicherung, die auf den (die) Versicherte(n) entfallen, ...“ sind lediglich die Dienstnehmerbeiträge angesprochen.
Norm
RS0123630
Gegen die Bestimmung des § 248c Abs 2 ASVG, wonach für die Bemessung des besonderen Höherversicherungsbetrags nur die aufgrund einer Pflichtversicherung nach dem in der Pensionsversicherung geleisteten Beiträge zu berücksichtigen sind, bestehen keine verfassungsrechtlichen Bedenken.
Normen
B-VG Art92 Abs1
B-VG Art140
ZPO idF BGBl 1971/291 §502 Abs3 A
RS0042729
Daraus allein, dass Art 92 Abs 1 B-VG den OGH als oberste Instanz in Zivilsachen und Strafsachen statuiert, kann nicht abgeleitet werden, dass eine Partei in jedem Rechtsstreit einen durch die Verfassung geschützten Anspruch auf Ausschöpfung des Rechtszuges bis zum OGH hätte. Der Instanzenzug kann vielmehr durch ein einfaches Gesetz abgekürzt werden. Dass dies hinsichtlich bereits anhängiger Prozesse nicht zulässig sein sollte, kann aus keiner Bestimmung des B-VG entnommen werden. Eine Veranlassung, gemäß Art 140 B-VG an den VfGH heranzutreten, besteht nicht.

Entscheidungstext

Kopf

Der Oberste Gerichtshof hat als Revisionsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen durch den Senatspräsidenten Dr. Hradil als Vorsitzenden, durch die Hofräte Dr. Fellinger und Dr. Schramm sowie durch die fachkundigen Laienrichter Mag. Claudia Gründel (aus dem Kreis der Arbeitgeber) und Ing. Thomas Bauer (aus dem Kreis der Arbeitnehmer) in der Sozialrechtssache der klagenden Partei K*****, vertreten durch Dr. Andreas Nödl, Rechtsanwalt in Wien, gegen die beklagte Partei Pensionsversicherungsanstalt, 1021 Wien, Friedrich-Hillegeist-Straße 1, wegen besonderer Höherversicherung gemäß § 248c ASVG, über die außerordentliche Revision der klagenden Partei gegen das Urteil des Oberlandesgerichts Wien als Berufungsgericht in Arbeits- und Sozialrechtssachen vom , GZ 10 Rs 160/13t-13, in nichtöffentlicher Sitzung den

Beschluss

gefasst:

Spruch

Die außerordentlichen Revision wird gemäß § 508a Abs 2 ZPO mangels der Voraussetzungen des § 502 Abs 1 ZPO zurückgewiesen.

Begründung:

Rechtliche Beurteilung

Der erkennende Fachsenat des Obersten Gerichtshofs hat in der ausführlich begründeten Entscheidung 10 ObS 127/12t ausgesprochen, dass die Wortfolge „die aufgrund einer Pflichtversicherung ... geleisteten Beiträge zur Pensionsversicherung, die auf den (die) Versicherte(n) entfallen, ...“ in § 248c Abs 2 ASVG lediglich die Dienstnehmerbeiträge bezeichnet. Die Ausführungen der Revisionswerberin geben nicht Anlass, von dieser Rechtsprechung abzugehen, zumal aus den Gesetzesmaterialien (ErläutRV 59 BlgNR 22. GP 336) hinreichend klar erhellt, dass dies dem Willen des historischen Gesetzgebers entspricht, der ja davon ausgeht, im Hinblick auf die Nichtäquivalenz von Beitragsleistungen und Pensionshöhe von Verfassungswegen nicht gehalten zu sein, Personen, die die volle Pension beziehen und einer versicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit nachgehen, eine entsprechende Leistung zu gewähren. Das Argument der Revisionswerberin, ein Arbeitnehmer werde nur eingestellt, wenn er zusätzlich zu seinem Bruttolohn auch die SV-Arbeitgeber-Anteile (und einen Gewinn) erwirtschaftet, ist nicht stichhältig. Diese Erwartung mag zwar am Beginn eines Arbeitsverhältnisses bestehen, es arbeitet jedoch nicht jeder Arbeitnehmer zu jeder Zeit kostendeckend.

Die Beschränkung des Zugangs zum Obersten Gerichtshof ist verfassungskonform (vgl ausführlich Zechner in Fasching/Konecny² Vor §§ 502 ZPO ff Rz 25-27 und 58 f mwN). Der Verfassungsgesetzgeber hat in Art 133 Abs 4 B-VG idF BGBl I 2012/51 - die Bestimmung ist am in Kraft getreten - normiert, dass gegen ein Erkenntnis des Verwaltungsgerichts die Revision an den Verwaltungsgerichtshof zulässig ist, wenn sie von der Lösung einer Rechtsfrage abhängt, der grundsätzliche Bedeutung zukommt, insbesondere weil das Erkenntnis von der Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs abweicht, eine solche Rechtsprechung fehlt oder die zu lösende Rechtsfrage in der bisherigen Rechtsprechung des Verwaltungsgerichtshofs nicht einheitlich beantwortet wird. Auch aus Art 92 B-VG kann nicht geschlossen werden, dass jede in einem gerichtlichen Verfahren erfließende Entscheidung einem Rechtszug an den Obersten Gerichtshof unterworfen sein müsste (RIS-Justiz RS0042729; vgl RS0102362). Art 6 EMRK rechtfertigt schließlich ebenfalls keine Bedenken gegen die Verfassungsmäßigkeit der Rechtsmittelbeschränkungen (RIS-Justiz RS0079186, RS0044057).

Zusatzinformationen


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Rechtsgebiet
Zivilrecht
Schlagworte
Sozialrecht
ECLI
ECLI:AT:OGH0002:2014:010OBS00029.14H.0325.000
Datenquelle

Fundstelle(n):
NAAAE-00789