Wirtschaftliche Betrachtungsweise im Recht
1. Aufl. 2020
Besitzen Sie diesen Inhalt bereits,
melden Sie sich an.
oder schalten Sie Ihr Produkt zur digitalen Nutzung frei.
S. 961. Einleitung
Unter der sog „wirtschaftlichen Betrachtungsweise“ im Hinblick auf das Privatrecht werden grundsätzlich mindestens zwei unterschiedliche Dinge verstanden:
die wirtschaftliche Betrachtungsweise im Privatrecht: Eine gewisse wirtschaftliche Betrachtungsweise im Privatrecht wird praktiziert, wenn man privatrechtliche Regeln auslegt, die auf wirtschaftliche Maßstäbe verweisen, wie beispielsweise auf die „wirtschaftliche Zumutbarkeit“, auf „krasse wirtschaftliche Ungleichgewichte“ in den vertraglichen Rechten und Pflichten zweier Parteien, die den Verdacht der Sittenwidrigkeit erzeugen, oder auf die „wirtschaftliche Rechtfertigung“ von ungewöhnlichen oder ungleichgewichtigen vertraglichen Gestaltungen. Ziel großer Teile des Privatrechts ist die Ermöglichung und Absicherung des Funktionierens von Märkten und von fairem Wettbewerb. Auch solche Regeln sind mit dem Blick auf diese Zielsetzung, also in wirtschaftlicher Betrachtung, auszulegen. Schließlich gibt es auch noch jene Fälle, in denen die wirtschaftliche Funktion von privatrechtlichen Beziehungen mit deren formaler Gestaltung in Widerspruch steht: Die Rechtsanwenderin muss dann überlegen, ob sie diese privaten Rechtsbezie...