OGH vom 22.11.1984, 7Ob614/84
Norm
Kopf
SZ 57/183
Spruch
Gegen den Besucher eines Mieters kann der Hauseigentümer jedenfalls dann keine Eigentumsklage erheben, wenn jenem kein Verhalten zur Last fällt, das ein Hausverbot rechtfertigen könnte
(LG Innsbruck 3 a R 160/84; BG Lienz 2 C 1084/83)
Text
Der Kläger begehrt das Unterlassen des Betretens seines Hauses durch die Beklagte auf Grund eines wegen ihres aggressiven Verhaltens als Besucherin eines Mieters erteilten Hausverbotes. Im Revisionsverfahren ist nicht mehr strittig, daß das behauptete Fehlverhalten der Beklagten nicht erwiesen werden konnte. Es geht nur noch um das grundsätzliche Recht des Eigentümers, Besucher eines Mieters vom Betreten seines Hauses auszuschließen.
Der Erstrichter gab dem Klagebegehren statt. Er erachtete den Eigentümer eines Hauses zu einer Unterlassungsklage nach den §§ 354 und 366 ABGB auch im vorliegenden Fall für berechtigt, weil dem Besucher eines Mieters keine von diesem abgeleitete Befugnis gegen den Hauseigentümer zustehe; es wäre Sache des Mieters, sachlich nicht gedeckte Eingriffe in seine Mietrechte abzustellen.
Das Berufungsgericht gab der Berufung der Beklagten Folge und änderte das Ersturteil iS der Abweisung des Klagebegehrens ab. Es sprach aus, daß der (Wert des) Streitgegenstand(es) 15 000 S, nicht aber 300 000 S übersteigt, und erklärte die Revision für zulässig. Die zweite Instanz vertrat die Rechtsansicht, das Recht des Hauseigentümers, jeden anderen von dem Besitz seiner Sache auszuschließen, werde durch das Bestandrecht seines Mieters beschränkt. Eine Unterlassungsklage gegen den Besucher eines Mieters sei ihm deshalb versagt.
Der Oberste Gerichtshof gab der Revision des Klägers nicht Folge.
Rechtliche Beurteilung
Aus den Entscheidungsgründen:
Die Befugnis des Eigentümers nach § 354 ABGB, jeden anderen im Wege der Eigentumsfreiheitsklage nach den §§ 366 und 523 ABGB auszuschließen, ist nach der zutreffenden Ansicht des Berufungsgerichtes durch die Benützungsbefugnisse eines Mieters beschränkt (SZ 54/43 ua.); zu ihnen gehört grundsätzlich auch das Recht, Besucher zu empfangen (Klang in Klang[2] V 54). Umstritten ist allerdings die Frage, ob der Bestandgeber einen unmittelbaren Unterlassungsanspruch gegen jene dritten Personen hat, die die Benützungsbefugnisse des Mieters überschreiten (vgl. Spielbüchler in Rummel, ABGB, Rdz. 4 zu § 366 mwN sowie SZ 43/47 und SZ 54/43). Diese Frage nach der passiven Klagslegitimation eines unbefugten Dritten bedarf aber im vorliegenden Fall keiner Prüfung, weil nach den negativen Feststellungen der Vorinstanzen keinerlei Verhalten der Beklagten hervorgekommen ist, das ein Hausverbot gegen sie hätte rechtfertigen können. Der Fall unterscheidet sich damit auch von denen der Entscheidungen EvBl. 1965/161 und SZ 38/16, wo es um den Besuch bei einem Hotelgast bzw. um eine Passantin ging, die ein fremdes Haus als Tierschützerin aufgesucht hatte. Das Fehlen einer oberstgerichtlichen Rechtsprechung zur hier relevanten Frage der Zulässigkeit einer Klage unmittelbar gegen den befugten Besucher eines Mieters mag darin liegen, daß die negative Antwort selbstverständlich ist. Der Beklagte kann eine Eigentumsfreiheitsklage stets durch den Nachweis abwehren, ein Recht zum Eingriff zu haben (Petrasch in Rummel, ABGB, Rdz. 9 und 10 zu § 523; SZ 43/47 ua.). Dieses Recht, abgeleitet vom Mieter, ist nach dem Gesagten hier nicht zu bezweifeln (vgl. etwa die Fälle des Abstellens eines Kinderwagens durch den Besucher eines Mieters, MietSlg. 17 152, oder des Parteienverkehrs in einer Notariatskanzlei, MietSlg. 20 144). Der Mieter müßte sich nur solche Eingriffe in sein Bestandrecht - auch zu Lasten seiner Besucher - gefallen lassen, die dessen Ausübung nicht wesentlich erschweren oder gefährden und die die einzige Möglichkeit bilden, das Haus und die Bewohner vor Nachteilen zu bewahren (MietSlg. 20 145 ua.).
Fundstelle(n):
NAAAD-82123