Handbuch Medizinstrafrecht
1. Aufl. 2026
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S. VVorwort
Heilbehandlungen müssen nicht selten unter erheblichem Zeitdruck, auf Basis unvollständiger Informationslagen und in Situationen ausgeprägter Unsicherheit erfolgen. Dies bedingt medizinische Entscheidungen, die mitunter schnell getroffen werden müssen und zwangsläufig mit einem erhöhten Fehlerrisiko einhergehen. Die strafrechtliche Beurteilung hingegen ist auf eine umfassende retrospektive Aufarbeitung des Sachverhalts und eine differenzierte Zurechnungsprüfung angelegt; sie vollzieht sich strukturell deutlich langsamer und unter anderen methodischen Prämissen.
Zwischen diesen Perspektiven kann ein Spannungsfeld entstehen. Einerseits können unerwünschte Behandlungsverläufe vorschnell auf einseitige Schuldzuweisungen verkürzt werden. Andererseits können strafrechtlich relevante Pflichtverstöße hinter dem Verweis auf medizinische „Unvermeidbarkeit“ aus dem Blick geraten. An dieser Schnittstelle setzt das Medizinstrafrecht an und zielt darauf ab, die strafrechtlich relevanten Fragestellungen im Gesundheitswesen systematisch zu ordnen. Dabei ist die ex ante determinierte medizinische Entscheidungssituation mit der ex post erfolgenden strafrechtlichen Beurteilung in Einklang zu br...